Die unbemannten, etwa sieben Meter langen Boote steuern aus verschiedenen Richtungen auf ihr Ziel zu und explodieren schließlich in einem iranischen Marinestützpunkt. Die vom amerikanischen Militär veröffentlichte Aufnahme zeigt den ersten Kampfeinsatz amerikanischer Seedrohnen in der Geschichte, wie es vom zuständigen Regionalkommando Centcom heißt. Demnach haben in der Nacht zu Sonntag drei Waffensysteme des Typs Corsair das iranische Marinehauptquartier Bandar Abbas getroffen, das einen strategisch wichtigen Zugang zur Straße von Hormus bietet.
Laut US-Militär wurden eine U-Boot- und Schiffswartungsanlage erfolgreich angegriffen. Auf dem Video ist zu sehen, wie eine Seedrohne in Richtung eines U-Boots steuert, das offensichtlich gewartet wird. Fachportale identifizierten es als Modell der Ghadir-Klasse, das Iran laut eigenen Angaben in der Straße von Hormus einsetzt. Die Mini-U-Boote wurden speziell für flache Gewässer entwickelt, können Torpedos und Antischiffsraketen abschießen oder Minen auslegen. Sie sind Teil der asymmetrischen Kriegsführung Irans.
Der Militärschlag habe die Fähigkeiten Irans, weiterhin Angriffe auf die Handelsschifffahrt durchzuführen, geschwächt, so das amerikanische Militär. Die veröffentlichte Aufnahme lässt allerdings keine Rückschlüsse über das Ausmaß der Schäden zu. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran um die Straße von Hormus hat sich zuletzt wieder verschärft.
Schon ein Einsatz als Rettungsdrohne
Militärische Seedrohnen, die die Vereinigten Staaten nun erstmals im Kampf eingesetzt haben, sind insbesondere durch den Ukrainekrieg bekannt geworden. Kiew gilt als Vorreiter auf diesem Gebiet. Die unbemannten Boote, die in der Regel mit einer Sprengladung ausgerüstet in ihr Ziel jagen, haben dazu beigetragen, die russische Schwarzmeerflotte zurückzudrängen.
Die von den Vereinigten Staaten verwendete Corsair-Drohne hat nach Angaben des Herstellers eine Reichweite von mehr als 1000 Seemeilen, kommt auf Geschwindigkeiten von rund 65 Kilometern in der Stunde und kann eine Nutzlast von circa 450 Kilogramm tragen. Sie ist in der Lage, Missionen weitgehend autonom durchzuführen. Details über die Operation am Wochenende sind nicht bekannt. Schon zuvor hatten amerikanische Streitkräfte neue Waffensysteme im Irankrieg eingesetzt.
Laut dem Fachportal „Army Recognition“ demonstriert der Einsatz gegen Bandar Abbas, dass die amerikanischen Seestreitkräfte nun in der Lage seien, präzise Treffer innerhalb einer befestigten Marineanlage zu erzielen – ohne dass sich Seeleute an Bord der angreifenden Boote befinden müssten. Das bedeute, dass Seedrohnen die Testphase überwunden hätten und bereit für den realen Kampfeinsatz seien. Dies setze neue Maßstäbe für die amerikanische Seekriegsführung.
Die Corsair-Seedrohne kann darüber hinaus für Aufklärungs-, Patrouillen- oder Rettungsmissionen genutzt werden. Nach Angaben des amerikanischen Militärs ist sie seit Ende März im Nahen Osten stationiert. Im Juni kam sie erstmals bei einer Evakuierung zum Einsatz, nachdem ein amerikanischer Kampfhubschrauber nahe der Straße von Hormus abgestürzt war: Laut offiziellen Angaben wurde die Crew von einer Corsair gerettet – der erste derartige Einsatz einer Seedrohne im Rahmen einer militärischen Mission.
