Es gibt nichts Gutes, was nicht noch besser werden kann. Nach diesem Motto hat jetzt Mercedes-Benz sein Spitzenmodell, die S-Klasse, umfangreich überarbeitet und bis „ins Detail verfeinert“. Die Modellpflege sei die umfangreichste innerhalb einer Generation, die es je gegeben habe. Die jetzige, siebte Generation läuft seit 2020. Mehr als die Hälfte der Teile sei angefasst worden.
Doch rein äußerlich tut sich wenig, sieht man davon ab, dass der Stern auf der Haube nun leuchten kann. Auch der um 20 Prozent größere Kühlergrill ist optional illuminiert. Es stehen nach wie vor zwei Längen zur Wahl. Nahezu alle Modellreihen haben Allradantrieb, Neungang-Automatik, Luftfederung und Hinterachslenkung, wobei Letztere gegen Aufgeld nicht nur mit 4,5 Grad, sondern mit bis zu zehn Grad einschlägt.
Der laufruhige Diesel bleibt
Bei den Antrieben setzt man wie gehabt auf Diesel oder Benzin, zudem sind zwei Plug-in-Hybride im Portfolio. Die Selbstzünder 350d oder 450d sind Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum und 313 oder 367 PS, dazu kommen noch 23 PS aus dem Startergenerator, über den auch die Benziner verfügen. Hier bieten zwei 3,0-Liter-Sechszylinder 381 oder 449 PS, am Heck steht 450 oder 500. Ein 4,0-Liter-V8 kommt auf 537 PS und beeindruckende 750 Newtonmeter Drehmoment.

Als Plug-in-Hybrid steht im 580e eine Systemleistung von beachtlichen 585 PS im Datenblatt, davon kommen 163 von der E-Maschine, die jetzt 75 PS stärker ist als bisher. Der elektrische Kompagnon für die praktisch baugleichen 3,0-Liter-Benziner wird von einer 22-kWh-Batterie gespeist. Möglich sein sollen um die 100 rein elektrische Kilometer. Geladen werden kann auch mit Gleichstrom mit bis zu 60 kW. Gegen die Hybrid-Technologie spricht jedoch der deutlich kleinere Kofferraum. Sind es bei der herkömmlichen Limousine, die kurz 5,19 Meter lang ist, 510 Liter Volumen, machen die verbleibenden 345 Liter bei den Plug-ins eine Kaufentscheidung eher schwer.

Gut bei Kasse muss man ohnehin sein. Verlangt werden knapp 110.000 Euro für den S 350d. Der S 580 mit seinem V8-Motor kostet gut 130.000 Euro, als Plug-in mit Sechszylinder und E-Maschine fast 134.000 Euro.
Digitales Feuerwerk
Erste Probefahrten unternahmen wir mit fast allen Motorversionen, jeweils in den 5,30-Meter-Langmodellen. Der Längenaufschlag kommt ausschließlich den Fondpassagieren zugute. Den Fahrer erwartet jeweils ein digitales Feuerwerk hinter und neben dem neuen 20-Zoll-Lenkrad, die drei Bildschirme reichen fast über die gesamte Breite des Armaturenbretts, auch der Beifahrer geht nicht leer aus. In der abgelösten S-Klasse war das kaum anders, aber jetzt läuft ein eigens entwickelter „Supercomputer“ im Hintergrund.
Rein fahrerisch überzeugen alle S-Klassen, wie zu erwarten. Der Diesel, den in Deutschland mehr als die Hälfte der Kunden bestellt, ist ruhig und als Kraftquelle völlig ausreichend. Der V8, dessen Motor zu 80 Prozent aus neuen Teilen besteht, bollert immer noch dezent schön, obwohl Effizienzmaßnahmen ihm das eigentlich ausgetrieben haben. Schließlich harmonieren die beiden Maschinen in den Plug-ins sehr gut, rein elektrisches Gleiten ist bis 140 km/h möglich. Die neue Gurtheizung muss man nicht haben, aber sie wärmt tatsächlich spürbar.
