
Das Land Hessen hat über den vor einem Jahr eingerichteten Hessenfonds bislang rund 360 Unternehmen gefördert. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stelle sich derzeit für viele Unternehmen die Frage, „wie sie die Zukunft sichern können“, sagte der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Offenbach, an der auch Finanzminister Alexander Lorz und Digitalministerin Kristina Sinemus ( beide CDU) teilnahmen. „Unsere Politik muss dazu beitragen, dass gute Ideen umgesetzt werden können und dass notwendige Investitionen nicht aus Unsicherheit ausbleiben.“
Für den Hessenfonds hat die schwarz-rote Landesregierung Mittel von einer Milliarde Euro vorgesehen, die von der staatlichen Förderbank Wibank am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Drei Viertel davon sollen bis einschließlich 2028 in Form vergünstigter Darlehen an förderfähige Unternehmen weitergegeben werden. Der im Vergleich zu den marktüblichen Zinsen gewährte Abschlag wird vom Land Hessen finanziert, das dafür 80 Millionen Euro einsetzt.
Statt in Form von Krediten kann die Förderung auch durch eine Beteiligung des Landes an interessierten Unternehmen gewährt werden – dafür wurden 250 Millionen Euro bereitgestellt, von denen bislang rund fünf Millionen in zwei verschiedene Unternehmen investiert worden sind.
Mehr als 500 Anträge wurden gestellt
Die im ersten Jahr bewilligten Darlehen belaufen sich auf einen Gesamtbetrag von 158 Millionen Euro. Beantragt worden waren fast 300 Millionen Euro, aber 100 Anträge mussten nach Angaben von Wibank-Geschäftsführer Michael Reckhard abgelehnt werden. Rund 100 weitere seien noch in der Prüfung oder mit Bitte um Korrekturen an die Antragsteller zurückgegeben worden, sagte Reckhard.
Von den Unternehmen, die ein Darlehen erhielten, gehören fast 30 Prozent dem Gesundheitswesen an. Nach Angaben Reckhards sind darunter viele Arztpraxen, bei denen sich ein Inhaberwechsel vollzieht. Zwölf Prozent der bislang ausgereichten Darlehenssumme gingen an das Baugewerbe und andere Handwerksunternehmen, elf Prozent an Unternehmen, die in der Beratungsbranche aktiv sind, und zehn Prozent an Einzelhändler. Aus dem produzierenden Gewerbe ist vor allem die Metallindustrie mit einem Anteil von acht Prozent an allen bislang vergebenen Krediten vertreten, die angeschlagene Automobilindustrie allerdings gar nicht.
Finanzminister Lorz merkte auf Nachfragen dazu an, der Hessenfonds sei „kein Instrument für Restrukturierung und Sanierung“. Durchaus förderfähig sind nach den Programmkriterien aber Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Vermeidung von Umweltverschmutzung und zum Ausbau erneuerbarer Energien.
Wirtschaftsminister Mansoori hob hervor, die bislang geförderten Investitionen dienten zu 90 Prozent „dazu, sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen“. Ohne diese Anpassungen würden die Unternehmen „in eine Schieflage geraten“. Mit diesem Argument rechtfertigte Mansoori die Aussage der Landesregierung, dass mit den bisherigen Förderzusagen mehr als 8000 Arbeitsplätze „gesichert“ worden seien. Da die Investitionen gleichzeitig neue Geschäfte ermöglichten und zehn Prozent der Fördermittel auch in junge Unternehmen flössen, seien zudem 600 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.
