DIE ZEIT: Herr Herzog, Sie wollten dieses Gespräch eigentlich gar nicht führen. Sie waren zuerst regelrecht empört über das Anliegen, vorm Jahrestag des 7. Oktober über die rasante Zunahme antisemitischer Vorfälle zu sprechen, deren Zahl sich auf hohem Niveau hält. Warum?
Ernest Herzog: Weil Antisemitismus nur eine von vielen Fronten ist, die am 7. Oktober von der Hamas eröffnet wurden. Und weil islamistischer Terror sich nicht nur gegen Juden richtet, sondern gegen jeden, der nicht in das Weltbild der Islamisten passt. Ich hatte schon immer ein Problem mit der isolierten Betrachtung von Antisemitismus. Wer Juden so heraushebt, als seien sie die einzigen Opfer, als seien sie anders als alle anderen, erweist ihnen einen Bärendienst. Er macht genau das, was unsere Gegner wollen, nämlich uns isolieren. Der jüdische Staat und die Juden sollen allein dastehen, als ein Problem, mit dem der Rest des Westens nichts gemein hat.
