Es trägt die Versöhnung im Namen, und doch war kaum ein erinnerungspolitisches Großprojekt so umstritten, so heikel, so sehr von Ängsten und Sorgen begleitet wie die Stiftung »Flucht, Vertreibung, Versöhnung« mit Sitz in Berlin. Die Gründung per Gesetz im Jahr 2008 war ein politischer Drahtseilakt. Bang wurde in der Folge die Eröffnung der Dauerausstellung im Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof erwartet – und 2021 mit erleichtertem Applaus begrüßt.

Es ging also doch: Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg darzustellen, in internationaler Perspektive und ohne die deutschen Verbrechen auszublenden. Die alten Schlachten schienen geschlagen, in denen die Ewiggestrigen aus den Vertriebenenverbänden auf die osteuropäischen Nachbarn und deren Befürchtung trafen, im Herzen der deutschen Hauptstadt werde ein Monument der nationalen Selbstviktimisierung und des Revanchismus entstehen.