Zwei schwere Erdbeben haben den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert und Häuser zum
Einsturz gebracht. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief den
Notstand aus. In einer Fernsehansprache drückte sie den Angehörigen von Toten ihr Beileid aus. Sie sprach von einem »Vorfall mit schwerwiegenden
Folgen«. Nach Angaben von Innenminister Diosdado Cabello wurden schwere Schäden
gemeldet. »Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun«,
sagte Caballo. Angaben zur Anzahl von Toten oder Verletzten machte die venezolanische Regierung zunächst nicht.
Der US-Geologiebehörde USGS zufolge gab es zunächst ein Beben der
Stärke 7,2, dem weniger als eine Minute später ein weiteres der Stärke 7,5
folgte. Das Epizentrum lag etwa 160 Kilometer westlich von Caracas in einer
Tiefe von 13 Kilometern. Angesichts der geringen Tiefe ist von massiver
Zerstörung und vielen Opfern auszugehen. Die USGS schätzt die Zahl der
möglichen Toten auf 10.000 bis 100.000.
Auswirkungen des Bebens in tausend Kilometer Entfernung zu spüren
Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von
deutlichen Zerstörungen in der Hauptstadt Caracas. Im Stadtteil Altamira sei
ein 22-stöckiges Hochhaus nahezu völlig zerstört worden. Auf der Straße standen
verzweifelte Menschen, die nach Angehörigen riefen. Helfer arbeiteten sich
durch die Trümmer und suchten nach möglichen Verschütteten.
Viele Menschen harrten aus Sorge vor Nachbeben auf der Straße aus. Die Behörden in Venezuela kündigten an,
der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt. Auch der
internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas habe wegen Schäden den Betrieb
eingestellt.
Die Beben gehören zu den stärksten, die Venezuela seit mehr als einem Jahrhundert getroffen haben. Ihre Auswirkungen waren auch in Kolumbiens Hauptstadt
Bogotá zu spüren. Sie liegt rund tausend Kilometer Luftlinie vom Epizentrum
entfernt. Das US-Tsunami-Warnzentrum gab zunächst eine Warnung für Puerto Rico,
die Jungferninseln sowie die vor der Küste Venezuelas gelegenen Inseln Aruba,
Curaçao und Bonaire heraus. Diese wurde jedoch nach etwa einer Stunde wieder
aufgehoben.
