Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten zehn Tage nach dem Beben auf mindestens 2.595 gestiegen. Dies teilte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez am Donnerstagabend (Ortszeit) in Caracas mit. Das sind 300 mehr als am Mittwoch angegeben. Zudem seien mehr als 12.600 Menschen verletzt worden, mehr als 16.000 Menschen verloren den Angaben der Regierung zufolge ihr Zuhause.
Rodríguez zufolge wurden bei den Beben und Nachbeben nach bisherigen Erkenntnissen 189 Gebäude komplett zerstört und mindestens 855 weitere stark beschädigt, darunter auch Krankenhäuser, Brücken und Straßen. Für den Wiederaufbau möchte die Regierung einen ersten Fonds von 200
Millionen Dollar (knapp 175 Millionen Euro) einrichten. Die Gelder dafür
werde der Internationale Währungsfonds (IWF) freigeben, sagte
Rodríguez. Für internationale Geldspenden sei zudem ein Konto bei der
Lateinamerikanischen Entwicklungsbank eingerichtet worden. Auch dieses
Geld soll vor allem in den Wiederaufbau fließen.
Urheber von gezielten Falschmeldungen identifiziert
In dem von den Beben am meisten betroffenen Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste seien fast alle örtlichen Regierungsvertreter ums Leben gekommen. »Die Lage ist dramatisch«, sagte die Präsidentin. Zugleich wies sie erneut Kritik zurück, staatliche Stellen hätten bei der Katastrophenhilfe versagt. Tausende Militärs und zivile Helfer hätten sich an den Rettungsarbeiten beteiligt.
Vielmehr seien absichtlich Falschinformationen gestreut worden, um zusätzlich Chaos zu verbreiten, etwa mit fingierten Tsunami-Warnungen. Die Urheber dieser Falschmeldungen seien identifiziert worden, sagte Rodríguez, ohne Details zu nennen.
Seit dem Doppelbeben der Stärken 7,2 und 7,5 am 24. Juni gab es nach offiziellen Angaben 862 Nachbeben. Deren Häufigkeit und Stärke nehme zwar ab, die Gefahr eines weiteren starken Bebens sei jedoch nicht vollständig gebannt.
