So etwas nennt man einen Auftakt nach Maß. Als Andreas Hoppe am 6. Oktober 1996 zum ersten Mal an der Seite von Ulrike Folkerts in seiner Signaturrolle als Ludwigshafener „Tatort“-Kommissar Mario Kopper auftritt, geht es direkt in medias res der menschlichen Abgründe.
In „Der kalte Tod“ treibt ein mordlüsterner Pathologe (Matthias Habich) mit Kommissarin Lena Odenthal ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, während Kopper, von Anfang an mehr als ein knorriger Sidekick der seit neun Folgen allein Ermittelnden, zwar hier und da ungeschickt agiert, doch Gott sei Dank unempfänglich bleibt für des Professors Manipulationen.
Insbesondere das zehnminütige Finale zwischen Rechtsbeschützern und Rechtsmediziner machte diesen „Tatort“, geschrieben vom „Borowski“-Autor Sascha Arango und inszeniert von der Regisseurin Nina Grosse, zu einem der besten der Neunziger und wahrscheinlich zum besten SWR-Ludwigshafen-„Tatort“ überhaupt.
Alle sind hier furchtbar jung, schließlich ist es 30 Jahre her: Sophie von Kessel, das mutmaßliche Opfer; Folkerts, mit damals schickem schwarz gefärbtem Kurzhaarschnitt, und Andreas Hoppe selbst, mit einer Haupterscheinung, die gepflegt zu nennen übertrieben wäre, und origineller Batschkapp auf der Nicht-Frisur. Ein eigenwilliger Typ, dessen Stimme man einmal hörte und nicht vergaß. Loyalität war und blieb Koppers Natur bis zur letzten „Tatort“-Folge. Äußerlichkeiten und Konkurrenzgehabe waren seine Sache nicht, Aufrichtigkeit, Freundschaft und Fürsorge dagegen schon.
Die Figur Kopper und ganz er selbst
Mit seinem legendären Faible für La dolce vita, insbesondere für die sizilianische Küche, wird Hoppe zum persönlichen „Tatort“-Schluss 21 Jahre später Folkerts stets zur Seite gestanden sein, schließlich in einer WG mit ihr gewohnt haben, sie mit Pasta bekocht, immer wieder Wein und Grappa eingeschenkt haben und 57 Folgen lang eben nicht nur die Figur Kopper gewesen sein, sondern ungefähr ganz er selbst, der (Lebens-)Künstler Hoppe.

Dass zwischen Kunstfigur und Darsteller kein (Drehbuch-)Blatt passte, das ließ sich nicht nur bei persönlicher Begegnung ahnen. Hoppe war Kopper, Kopper war Hoppe. Ulrike Folkerts kannte er schon viel länger, schon seit 1982, als beide dieselbe Schauspielklasse in Hannover besuchten. Es ist kein Geheimnis, dass Hoppes Ausstieg aus dem „Tatort“ kein ganz freiwilliger war. Mit der Entwicklung seiner Figur war er zuletzt nicht einverstanden, für „Tatort“-Experimente hatte er nichts übrig, und als der experimentelle Improvisations-„Tatort“ „Babbeldasch“ (2017) in Pfälzer Mundart zum Zuschauer-Fiasko wurde, bewahrheiteten sich seine Vorbehalte in Gänze.
Statt Recht gab es für ihn allerdings den Abschied, mit der Folge „Kopper“ (2018). Immerhin ein maßgeschneidertes Ade. Hoppes Kopper legt sich in Ludwigshafen mit der sizilianischen Mafia an, taucht mit einem Jugendfreund unter, steht plötzlich auf der anderen Seite. Fürderhin Tristesse in Ludwigshafen oder sizilianisches Strandleben mit gekühltem Weißwein und der großen Liebe und Verlobten Maria (Marzia Tedeschi)?
Hoppe stieg also aus, pflegte andere künstlerische Interessen, trat im Fernsehen im „Traumschiff“ oder zur Rosamunde-Pilcher-Verfilmung an. Als Duo mit Lena Odenthal hat er Fernsehgeschichte geschrieben, weitere Kapitel wären möglich gewesen. Zum Beispiel eine Rückkehr vom Dolce far niente zum SWR. Der Kulinarik blieb dieser Glaubwürdigkeitskünstler jedenfalls verbunden. Noch im April kochte Andreas Hoppe, inzwischen mit weißem Bart, in der Sat.1-Show „Promi Taste“ unter dem Motto „No Fat, no Fun“ im Team von Frank Rosin. Mit 66 Jahren ist Hoppe nun überraschend gestorben.
