
Der halbstaatliche Energiekonzern ENI führt an diesem Montag in ganz Italien einen Preisdeckel für Kraftstoffe ein. Für zunächst 30 Tage wird der Liter Diesel an den rund 3850 ENI-Tankstellen des Landes höchstens 2,19 Euro kosten, Benzin wird auf 1,99 Euro gedeckelt. Der nun festgelegte Höchstpreis liegt nach Angaben des Unternehmens rund 17 Cent unter den derzeitigen Durchschnittspreisen. Eine Verlängerung der Maßnahme bis zum Jahresende sei je nach Marktentwicklung möglich, teilte ENI mit.
Dem Vernehmen nach gingen der Entscheidung des Konzerns intensive Gespräche von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ENI-Vorstandschef Claudio Descalzi voraus. Der italienische Staat hält rund ein Drittel der Anteile an dem Unternehmen, dessen Chefs und Spitzenmanager von der Regierung ernannt werden. Descalzi ist seit 2014 ENI-Vorstandschef, sein Mandat wurde im April um weitere drei Jahre verlängert.
Tankrabatt halbiert
Der Preisdeckel des größten Raffinerie- und Tankstellenbetreiber des Landes mit einem Marktanteil von knapp einem Viertel schließt sich fast nahtlos an eine befristete Reduzierung des staatlich gewährten Steuerrabatts an: Der wurde am Samstag von 12,2 Cent auf 6,1 Cent je Liter halbiert. Ohne den Preisdeckel wären nach Angaben des Verbraucherschutzverbands Codacons die Kosten für eine Tankfüllung von 50 Litern bei ENI-Tankstellen um rund 3,05 Euro gestiegen. Von Montag an können die Verbraucher stattdessen bei ENI mit einer Ersparnis rechnen.
Die italienische Regierung begrüßte erwartungsgemäß den Schritt des Konzerns, den sie selbst mitveranlasst hat. Die Maßnahme sei ein wichtiger Schritt, um die Auswirkungen der hohen Öl- und Kraftstoffpreise auf Familien und Unternehmen zu begrenzen, hieß es. Der italienische Tankstellenverband Assopetroli wirft ENI dagegen vor, mit der Preissenkung den Wettbewerb zu verzerren. Kleinere Anbieter könnten mit den angekündigten Preisen nicht mithalten. „Auch wenn wir unsere Margen vollständig aufgeben, können wir niemals solche Preise anbieten“, sagte Assopetroli-Chef Andrea Rossetti. Der Verband will sich deshalb an die italienische Regierung wenden. Der Preisdeckel wird ENI rund 100 Millionen Euro im Monat kosten.
Die Regierung in Rom hat den italienischen Verbrauchern in diesem Jahr bereits mehrfach befristete Steuernachlässe auf Kraftstoff gewährt. Mitte September beschloss die Mitte-rechts-Koalition unter Meloni zudem, die Steuer auf Autos bis zu 80 kW (knapp 109 PS) Motorleistung sowie auf Motorräder und Motorroller im kommenden Jahr auszusetzen. Nach Angaben des Verkehrsministeriums kommt der Steuererlass den Haltern von etwa 14,5 Millionen Fahrzeugen zugute.
