In dieser Woche sind die Transfermarktschreier mit ihren großen Zahlen mal wieder nicht zu überhören und nicht zu übersehen gewesen, aber wer noch daran glaubt, dass das Größte am Spiel das Spiel ist, der muss
auf die kleineren Zahlen schauen.
Fangen wir an mit der 25: So viele Dreipunktewürfe in Serie hat die amerikanische Basketballspielerin Caitlin Clark mal in der Trainingshalle in Indiana getroffen. Das Video davon ist auf Youtube, in den nächsten Tagen kann man sie aber auch in der Arena in Berlin erleben, wo sie mit dem Team USA an der WM teilnimmt.
Die beste Werferin der Welt scheint in Form zu sein. Acht Dreier hat Clark in der vorletzten Liga-Partie vor der WM-Pause in Chicago verwandelt. Nur ist nach diesem Spiel nicht über ihre Distanzwürfe, sondern über einen Rauswurf gesprochen worden.
Der frühere Basketballspieler Enes Kanter Freedom, der sich seit Kurzem pöbelnd an der Diskussion um Transpersonen im Frauensport beteiligt – dazu gleich mehr –, ist wegen seiner Pöbeleien aus der Arena geschmissen worden. Vier Wörter hat die Basketballspielerin Cameron Brink ihm hinterhergeworfen: „stupid piece of shit“.
War das der große Wurf? Nein, gewiss nicht, aber trotzdem ein Treffer, weil es daran erinnerte, denen zu misstrauen, die auch bei kompliziertesten Fragen mit Gewissheit sagen, dass es nur zwei Antworten gibt.
Was hat Kanter Freedom zu verlieren?
Auf komplizierte Fragen hat Enes Kanter Freedom auch schon differenzierte Antworten gegeben. Als er im F.A.Z.-Interview über Aktivismus im Sport diskutierte, sagte er: „Ohne Opfer kann man nichts ändern.“ Er selbst hat das Größte geopfert, das es für einen Sportler gibt: die Möglichkeit zu spielen.
Als er nicht mehr nur die türkische, sondern auch die chinesische Staatsführung kritisierte, wollte kein Klub der nordamerikanischen NBA ihn im Team haben. Doch wenn es stimmt, dass man ohne Opfer nichts ändern kann, stellt sich nun die Frage, was Kanter Freedom opfert, wenn er sich dafür einsetzt, dass Transathletinnen nicht in der WNBA spielen sollen?
Bisher hat es das noch nicht gegeben. Kanter Freedom behauptet, dass er mit acht Männern gesprochen habe, die in die WNBA wechseln wollen, weil im Tarifvertrag der Frauenliga steht, dass nur Frauen spielen dürfen, aber nicht, was eine Frau ist. Und um die Frauen zu schützen, wolle auch er sich für die WNBA anmelden. Oder wie er es gerade dem „Spiegel“ geschrieben hat: „Ich werde die beste WNBA-Spielerin sein, die die Welt je gesehen hat.“
In demselben Schreiben lädt er dazu ein, „sich mit mir zusammenzusetzen und ein ernsthaftes Gespräch zu führen“. Enes Kanter Freedom hat also doch etwas geopfert: die Erwartung, dass man ihn in dieser Sache ernst nehmen kann.
