Der italienische Senat hat ein Gesetz für eine Rückkehr zur
Atomkraft verabschiedet. Der Entwurf wurde mit 81 zu 51 Stimmen bei sieben
Enthaltungen gebilligt. Zuvor hatte bereits die Abgeordnetenkammer zugestimmt.
Das Gesetz genehmigt nicht den Bau von Reaktoren. Vielmehr schafft es die
regulatorische Grundlage, die erforderlich ist, bevor künftige Projekte
vorgeschlagen, geprüft und genehmigt werden können.
Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wird mit
dem Gesetz ermächtigt, innerhalb der kommenden zwölf Monate
Durchführungsverordnungen auszuarbeiten. Diese sollen unter anderem die
Genehmigung von Reaktoren, Sicherheitsstandards, die Entsorgung radioaktiver
Abfälle und Kriterien für künftige Standorte regeln.
Die Regierung von Meloni argumentiert, der steigende
Strombedarf, die Klimaziele sowie die Bedenken hinsichtlich der
Energiesicherheit rechtfertigten eine Rückkehr zur Atomkraft als Teil des
nationalen Energiemixes. Anstatt die Großreaktoren der Vergangenheit neu zu
starten, setzt die Regierung auf kleine modulare Reaktoren, sogenannte SMRs,
und andere fortschrittliche Technologien, die laut ihren Befürwortern sicherer,
flexibler und schneller aufzubauen sein könnten.
Italiens Bürger sind bei Rückkehr zur Atomkraft gespalten
Laut einer Umfrage des Instituts Demopolis vom Juni
befürworteten 51 Prozent der Italienerinnen und Italiener eine Wiederaufnahme
der Atomstromproduktion. Eine Mehrheit sprach sich jedoch gegen den Bau eines
Atomkraftwerks in der Nähe ihres Wohnorts aus.
Italien hatte die Atomenergie nach der Reaktorkatastrophe
von Tschernobyl 1986 aufgegeben. In nationalen Referenden stimmten die
Italiener zudem zweimal gegen die Nutzung von Atomkraft – zunächst nach dem
Reaktorunfall in Tschernobyl und erneut nach der Katastrophe im japanischen
Fukushima 2011.
Italien zählte in der Vergangenheit zu den europäischen
Vorreitern bei der Atomkraft und betrieb vier Reaktoren. Seit der Aufgabe der
Energiequelle ist das Land stark von Importen abhängig und zu einem der
größten Abnehmer von Strom aus Atomkraftwerken in den Nachbarländern geworden.
