
Es gibt viele Gründe für eine neue Perspektive für die europäischen Emissionsregeln. Doch wenn nun offenbar wird, dass der Volkswagen-Konzern Gefahr läuft, für ein Verfehlen der EU-Flottenemissionsregeln der Jahre 2025 bis 2027 eine Milliardenstrafe zahlen zu müssen, kommen allzu viele Stimmen in ein altes Argumentationsschema: Die deutschen Autokonzerne können es nicht, sie wollen nicht ablassen von der alten Verbrennerwelt, und seht her, das ist nun die gerechte Strafe.
Solche Argumente liegen weitab von der Realität. Denn die europäischen Autokonzerne, inklusive Volkswagen, bieten inzwischen mehr als hundert batterieelektrische Modelle, ohne Motor- und Ausstattungsversionen mitzuzählen. Doch diese Autos finden nicht genügend Absatz, vor allem in Süd- und Osteuropa. Muss Volkswagen dafür bestraft werden, weil in großen europäischen Automärkten wie Italien, Spanien und Polen der Anteil rein batterieelektrischer Autos nur bei acht, zehn und fünf Prozent liegt?
Biodiesel schlägt heute den Strommix
Es ist an der Zeit, die Debatte um die Emissionswerte in einer neuen Perspektive zu sehen: Die ambitionierten Grenzwerte wurden von Bürokraten und auch ideologischen Politikern ohne Kenntnis der Realität des Automarktes festgelegt, als in Deutschland die Ampelregierung in ihrem Koalitionsvertrag noch davon träumte, dass 2030 in Deutschland eine Million Ladesäulen stehen würden und 15 Millionen Elektroautos auf den Straßen fahren würden. Das hat sich alles als unerreichbar erwiesen. Aber die Emissionswerte sollen bleiben. Ganz nebenbei zeigt sich nun, dass die mit Biodiesel (HVO 100) betankten Verbrenner aktuell 75 Prozent weniger klimaschädliche Gase erzeugen als die mit deutschem Strommix aus Erneuerbaren, Gas oder Kohle geladenen Elektroautos.
Während die EU-Kommission und Umweltschützer ungnädig auf den alten Emissionszielen und ihrer – überkomplizierten – Rechenweise für die Flottenziele bestehen, sehen sie großzügig über die eigenen Fehler hinweg. Denn bei der Darstellung der Ladeinfrastruktur in Europa geht es erst einmal um die Gesamtzahl der Ladesäulen und nicht etwa um zeitgemäße Schnelllader. Das heißt, Gleichstromlader mit 50 Kilowatt Ladeleistung werden als zeitgemäß behandelt, obwohl sie in Deutschland schon wieder als veraltet ausrangiert werden. Wer also ist hier am Puls der Zeit, und wer hinkt hinterher?
