
Das größte Flugzeug auf der Berliner Luftfahrtmesse ILA komme von ihm, sagt Tim Clark, der Chef der Fluggesellschaft Emirates. Traditionell schickt die Airline aus Dubai einen A380-Doppelstock-Airbus zur Messe, die am Mittwoch ihre Pforten öffnet. Dort überragt das Flugzeug dann Helikopter, Drohnen und Kleinmaschinen. Und Clark erklärt es diesmal kurzerhand zum überdimensionalen Erinnerungsschild, dass Emirates täglich mit Passagieren aus Dubai nach Berlin fliegen und nicht nur zur Messe ein Ausstellungsstück schicken will. Bloß erlaubt ist das der Gesellschaft nach Jahren des Bittens und Forderns nicht.
„Unsere Analysen zeigen, dass die Nachfrage dafür vorhanden ist“, sagt Clark vor Journalisten in Berlin. Die Stadt wachse, sei bei Touristen beliebt, die örtliche Industrie- und Handelskammer fordere die Flüge. Doch am Berliner Flughafen habe er zu seiner Ankunft eine „traurige Situation“ erlebt. Auf dem Vorfeld hätten nur kleinere Mittelstreckenflugzeuge – mitunter von Billigfliegern – gestanden, aber kein einziges Langstreckenflugzeug. „Das ist doch kein Hauptstadtflughafen“, sagt Clark.
Für ihn ist es unverständlich, dass Deutschland den Flughafen neu gebaut habe, dort aber nun Chancen ungenutzt lasse, da nicht europäischen Airlines Anflüge verwehrt blieben. Für den Standort Deutschland sei es „wirklich schade“, dass Wettbewerb eingeschränkt werde. „Die Bundesregierung sollte sich selbst fragen, was der Wert einer Politik ist, ausländische Airlines draußen zu halten“, sagt Clark. Ein täglicher Flug seiner Gesellschaft zwischen Dubai und Berlin würde fast 1000 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen – zumal außer den Passagieren im Unterdeck auch 280 Tonnen Fracht je Woche transportiert werden könnten.
Eine „bestens orchestrierte Gruppe“
Das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten gestattet dort beheimateten Gesellschaften Flüge zu vier deutschen Airports. Emirates bedient Frankfurt, München, Düsseldorf sowie Hamburg, will für Berlin-Flüge aber keinen davon aufgeben. Zu Jahresbeginn hatte es rund um den Emiratebesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Hoffnungen gegeben, dass bald für Emirates mehr möglich sein könnte. Danach wurde es wieder ruhiger in der Angelegenheit.
Dass es kein Vorankommen gibt, schreibt Clark auch der Lufthansa zu. Eine „bestens orchestrierte Gruppe“ versuche Politiker zu überzeugen, dass es besser sei, Emirates die Flüge zu versagen. Lufthansa arbeite daran, eine Art „Schutzschild“ über dem deutschen Markt zu schaffen. Clark wies den Vorwurf zurück, dass Emirates mit günstigen staatlichen Rahmenbedingungen am Golf europäische Fluggesellschaften von Interkontinentalstrecken verdrängt habe. „Europäische Gesellschaften haben im Theater die östliche Hälfte des Publikums ausgeblendet“, sagt er. Emirates habe dann im Verkehr nach Asien und Australien bloß diese Lücken gefüllt.
Dass die Nahostkrise auch Emirates erfasst hat und zwischenzeitlich zu drastischen Betriebseinschränkungen zwang, hat dem Emirates-Chef nichts an Angriffslust genommen. Europäische Gesellschaften hatten mit einer höheren Auslastung ihrer Asien-Direktflüge davon profitiert, dass Reisende nicht mehr den Weg mit Umstieg in Dubai nahmen. Mancher Luftfahrtmanager sah schon das Ende der Blütezeit der Gesellschaften vom Golf nahen. Der Brite Clark, im Alter von 76 Jahren eher ein Mann der ruhigen Töne, sagt nun an die Rivalen gerichtet: „Wir werden sehr hart und schnell zurückschlagen.“
„Wir verdienen immer noch Geld“
Das jüngste Geschäftsjahr, das mit dem März einen Krisenmonat umfasste, hatte Emirates dennoch mit einem Rekordumsatz von 35,4 Milliarden Euro und einem Rekordgewinn vor Steuern von 5,7 Milliarden Euro abgeschlossen. Diese Zahlen werden nun wohl unerreicht bleiben. Doch mittlerweile setze Emirates wieder 80 Prozent seiner Flotte ein, und es gebe einen positiven Mittelzufluss. „Wir verdienen immer noch Geld“, beteuert Clark. Emirates hege keine Streichpläne. „Wir haben nicht die Absicht, uns einzuschränken oder irgendetwas zu reduzieren, und wir planen keinen Stellenabbau“, sagt er.
