Wird er es schon im Juni oder erst später? Diese Frage wird bis zum Börsengang von SpaceX offenbleiben, der am 12. Juni erwartet wird. Dann werden wir wissen, ob Elon Musk, reichster Mensch der Welt und Mehrheitseigentümer des Raumfahrtunternehmens, der erste Billionär der Menschheitsgeschichte wird.
Dass Musk nun diese Schwelle erreicht, ist auch deshalb bemerkenswert, weil es für sein Vermögen in der jüngsten Vergangenheit auch immer mal wieder steil bergab ging. Erst Anfang vergangenen Jahres schrumpfte Musks Vermögen um ein Viertel. Es war nicht die erste spektakuläre Wende auf Musks Weg zur Billion.
1995: Der Anfang
Eins vorweg: Die Geschichte von Elon Musks sagenhaftem Aufstieg ist kein Märchen, in dem ein Tellerwäscher zum Billionär wird. Musk beginnt seine Karriere nicht als Mittelloser, er kommt aus reichem Hause. Den Grundstein für sein Vermögen legt er mithilfe seines Vaters, des südafrikanischen Unternehmers Errol Musk, der ihm und seinem Bruder 28.000 Dollar gibt, je nach Quelle als Kredit oder als Schenkung. Musk wird später bestreiten, den Startzuschuss erhalten zu haben. Die Brüder gründen 1995 das Unternehmen Zip2, das Zeitungsverlagen beim Aufbau ihrer Internetpräsenz hilft.
1999: Die erste Million
Zip2 wird für Musk ein erster Erfolg. Er verkauft das Unternehmen nach vier Jahren an den Techkonzern Compaq für 307 Millionen Dollar. Sein Anteil bringt ihm 22 Millionen Dollar ein. Das Geld investiert er in ein neues Projekt, den Zahlungsdienstleister X.com (nicht zu verwechseln mit der Plattform X, die später aus Twitter hervorgehen wird). X.com fusioniert mit einem Konkurrenten kurze Zeit später zu Paypal.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
2002: Der Paypal-Deal
Die Handelsplattform Ebay kauft 2002 Paypal für anderthalb Milliarden Dollar. Musks Anteil beläuft sich nach Steuern auf etwa 180 Millionen. Wiederum re-investiert er das Geld, dieses Mal in gleich drei neue Unterfangen: das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das er selbst noch im selben Jahr gründet; einen kleinen E-Auto-Entwickler namens Tesla Motors, bei dem Musk im Februar 2004 als Hauptinvestor einsteigt; und 2006 den Solarzellenanbieter Solarcity, gegründet von zweien seiner Cousins, der später in Tesla aufgehen wird.
2008: Fast pleite
Das Jahr der weltweiten Finanzkrise wird auch für Musk persönlich zum unternehmerisch schwierigsten Jahr bis dahin. Musk steht kurz davor, alles zu verlieren. Dreimal versucht SpaceX, eine Rakete ins All zu schießen, dreimal geht das schief. Musk hat die Raketenstarts aus eigener Tasche finanziert, das Geld ist fast aufgebraucht. Auch Tesla gerät in finanzielle Schwierigkeiten und steht kurz vor der Pleite. Musk behauptet in einem Scheidungsprozess, er lebe von Krediten seiner Freunde. Auf dem Papier ist er mittellos. Doch dann gelingt der vierte Startversuch einer Rakete. SpaceX wird das erste private Unternehmen, das erfolgreich eine Rakete mit Flüssigtreibstoff in den Orbit bringt. Das imponiert sogar der Weltraumbehörde NASA, die einen Vertrag für den Bau einer neuen, leistungsstärkeren Rakete mit SpaceX abschließt. Der Fortbestand des Unternehmens ist gesichert. Kurz vor Weihnachten ist dann auch Tesla gerettet, dank einer Finanzierungsrunde in letzter Minute.
2010: Die erste Milliarde
Die Kehrtwende seiner zwei wichtigsten Unternehmen macht sich auch für Musk persönlich bezahlt. 2010 geht Tesla mit einer Bewertung von mehr als zwei Milliarden Dollar an die Börse. SpaceX stellt eine neue Rakete namens Falcon 9 vor und bekommt einen weiteren NASA-Vertrag für die Belieferung der Internationalen Raumstation. Wahrscheinlich ist Musk schon da rechnerisch Milliardär. Zwei Jahre später wird er erstmals in der Milliardärsrangliste von „Forbes“ geführt. Sein Vermögen wird da schon auf zwei Milliarden Dollar geschätzt, nachdem der Tesla-Kurs stark gestiegen ist.
2018: Ein tödlicher Unfall
Das Jahr 2018 beginnt schlecht für Tesla und für Musk. Ein tödlicher Unfall mit einem Tesla Model X bei aktiviertem Autopiloten, hohe Verluste sowie Produktionsverzögerungen beim neuen Model 3 verunsichern Investoren. Musks Vermögen schrumpft binnen weniger Monate von 21,7 auf 18,5 Milliarden Dollar. Sein eigenes Verhalten verschlimmert die Lage: Im Sommer löst Musk eine Ermittlung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC aus, weil er auf Twitter darüber spekuliert, er könne Tesla von der Börse nehmen. Der Kurs steigt. Als rauskommt, dass Musk es nicht ernst meint mit seinem Twittern, fällt er stark. Im September tritt Musk im Podcast von Joe Rogan auf und raucht vor der Kamera Cannabis. Teslas Kurs stürzt um neun Prozent ab.
2020: Mit Tesla nach oben
Tesla ist jetzt groß genug, um in den amerikanischen Aktienindex S&P 500 aufgenommen zu werden. Das hat zur Folge, dass zahlreiche professionelle Anleger nun Tesla-Aktien kaufen müssen. Der Kurs steigt um 70 Prozent. Musks Vermögen wächst im Laufe des Jahres auf mehr als 100 Milliarden Dollar an.
2021: Der Reichste
Im Januar 2021 ist Musk laut „Forbes“ erstmals der reichste Mensch der Welt. Und sein Vermögen wächst jetzt scheinbar unaufhaltsam weiter. Im November 2021 wird er der erste Mensch, dessen Vermögen mehr als 300 Milliarden Dollar beträgt.
2022: Absturz
Musks Zeit als Dreihundertfachmilliardär währt nur kurz. 2022 wird das Jahr, in dem er es mit dem größten Rückgang eines privaten Vermögens aller Zeiten ins Guinnessbuch der Rekorde schafft. Der Tesla-Kurs stürzt wegen schwacher Geschäftszahlen ab. Die steigenden Leitzinsen lassen die Kurse der Techkonzerne fallen. Als reichster Mensch der Welt wird Musk von Bernard Arnault abgelöst, dem Großaktionär des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH. Musk ist derweil mit einem Nebenschauplatz beschäftigt: Er kündigt im April den Kauf des Netzwerks Twitter an und versucht dann, einen Rückzieher zu machen. Im Oktober wird der Kauf doch noch abgeschlossen. Werbetreibende springen wegen Musks laxen Umgangs mit der Moderation von Inhalten auf der Plattform ab, die Umsätze brechen ein. Musks Image nimmt Schaden. Bis zum Ende des Jahres hat sich Musks Vermögen auf etwa 137 Milliarden Dollar mehr als halbiert.
2024: Das Comeback
Die Verluste des Jahres 2022 hat Musk schnell wieder hereingeholt. Der Tesla-Kurs ist nicht zu stoppen. In den zwei Jahren bis Ende 2024 hat er sich verdreifacht. Musks Vermögen steigt erstmals auf mehr als 400 Milliarden Dollar.
2025: In neuen Sphären
Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump kommt auch Elon Musk nach Washington. Als Anführer des „Department of Government Efficiency“, kurz DOGE, beginnen Musk und seine Unterstützer, radikal Ausgaben zu streichen, ohne Rücksicht auf Kollateralschäden. Der Tesla-Kurs stürzt derweil ab, Umsatz und Gewinn sind eingebrochen. Musks politisches Engagement für Trump schreckt liberale Tesla-Kunden ab. Analysten kritisieren, dass Musk sich nicht genug um sein Unternehmen kümmere. Sein Vermögen schrumpft von 433 Milliarden Dollar im Januar auf 316 Milliarden im März. Im April kündigt er an, sich wieder mehr auf Tesla zu konzentrieren. Die Kurse steigen wieder. Im September verliert Musk zum vorerst letzten Mal für wenige Stunden seine Spitzenposition als reichster Mensch der Welt an Oracle-Chef Larry Ellison. Danach wird Musk sich vom restlichen Feld der Milliardäre absetzen. Im Dezember erlaubt ein US-Gericht Musks Vergütungspaket bei Tesla aus dem Jahr 2018, das zwischenzeitlich eingefroren worden war. Es besteht aus Aktienoptionen im Wert von inzwischen 139 Milliarden Dollar. Bis zum Ende des Jahres steigt sein Vermögen auf mehr als 600 Milliarden Dollar.
2026: Kurz vor der Billion
Im Februar fusioniert Musk sein KI-Unternehmen xAI mit SpaceX. Musk strebt jetzt den größten Börsengang aller Zeiten für sein Raumfahrtunternehmen an. Im Mai veröffentlicht SpaceX seinen Börsenprospekt. Musks Vermögen wird laut Bloomberg-Milliardärsliste nun auf 740 Milliarden Dollar geschätzt – das ist so viel, wie die Männer auf Platz zwei und drei in der Reichenrangliste zusammen haben, die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin.
In der Forbes-Rangliste, die nicht börsennotierte Unternehmen höher bewertet, sind es sogar 839 Milliarden. Zuletzt steigt Musks Vermögen um fünf Milliarden Dollar am Tag. SpaceX strebt einen Börsenwert von bis zu zwei Billionen Dollar an. Das würde reichen, damit Musk, dem 42 Prozent des Unternehmens gehören, mit seinem Vermögen die Billionenschwelle überschreitet. Seine Anteile an Tesla sind mehr als 200 Milliarden Dollar wert.
Manche Analysten argumentieren, dass Musk schon heute Billionär ist, weil die SpaceX-Aktie schon jetzt abseits der Börse entsprechend hoch bewertet wird. Selbst wenn man das nicht gelten lässt, muss Elon Musk auf seinen neuen Titel wohl nicht mehr lange warten: Auf der Wettplattform Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit, dass Musk noch vor Jahresende Billionär ist, mit 95 Prozent bewertet.
