Wer am Strand steht und aufs Meer hinausblickt, verliert womöglich den Blick für Schönheiten des Landes hinter sich. Ist es nicht so, dass wir stets den Autos ins Gesicht schauen auf der Suche nach der Liebe auf den ersten Blick? Im tatsächlichen Leben dann aber ständig hinterherfahren, also weniger im metaphorischen denn im wahren Sinne? An der Ampel ins Heck schauen?
Einen Kühlergrill gibt es dort nicht, keine Niere, eigentlich seit jeher immer nur zwei Leuchten und ein Kennzeichen, das oben, in der Mitte oder unten untergebracht werden will, in ganz unverschämten Momenten wilder Designkunst gar seitlich versetzt.
Es gilt als schick
Nun zieht mit dem Aufkommen der Elektromobilität neue Gestaltungsfreiheit in die Welt des Automobildesigns ein. Wobei, so furchtbar revolutionär wie zur Aussaat der ersten zarten Pflänzchen stellt sich die Realität nicht auf die Räder. Es gilt aber als schick, die Sache vom Ende her zu denken, nicht nur in der Politik.

Das Heck spielt eine tragende Rolle im Bemühen, dem Wind so wenig Widerstand wie möglich entgegenzusetzen. Es gilt, Verwirbelungen zu vermeiden, über und unter und neben der Karosserie, jeder gewonnene Kilometer Normreichweite zählt. So kommt es selbst an manch bravem Familiengefährt in der Gestaltung zu Spoilern und Ecken und Kanten wie in der Rennsportserie Formel 1.
Beschleunigung des Zentralmassivs
Wir entdecken über den Rückleuchten eines Renault Twingo Finnen, die wirken, als seien sie im Übergang zur Serienproduktion vergessen worden. Wir erahnen in seitlichen Höhlen kauernde Luftleitflächen am elektrischen Porsche Cayenne Turbo, die dort standesgemäß Airblades heißen und von 55 Kilometern pro Stunde an ausfahren, auf dass der Sturm den Drang nicht bremsen möge. Die Beschleunigung des Zentralmassivs in Linien zu fassen, das scheint auch im seit den 356er-Jahren meist stilsicheren Zuffenhausen kein Akt geschmeidiger Leichtigkeit zu sein. Auf dem fließenden Ende der ersten elektrischen Mercedes-Benz C-Klasse reckt sich eine kecke Kante in die Luft.

Eine Mode, die vielleicht nicht von ewiger Dauer sein wird, sind durchgehende Leuchtenbänder. Sie haben auch mit gesetzlichen Vorschriften zu tun, nach denen Markenlogos nur beleuchtet werden dürfen, wenn im Umfeld auch Licht erscheint. Es geht um Schleichwerbung und führt doch nicht zu einem anderen Stern, von dem Mercedes-Benz übrigens 162 in sein Panoramadach fügt und fünf weitere zu guter Letzt aufscheinen lässt. BMW folgt einer strengeren Linie, die freilich auch so ihre weitreichenden Konsequenzen hat. Derweil stehen die Kulleraugen dem Renault Twingo vorne wie hinten gleich knuddelig. Zur Orientierung: Vorne ist weiß, hinten ist rot.

In die Zukunft gedacht übernehmen die Scheinwerfer und Leuchten am Auto, das denn ein selbstfahrendes werden soll, Funktionen der Kommunikation mit der Außenwelt. Wer etwa über den Zebrastreifen läuft, möchte gern wissen, ob der heranrollende Computer das Begehr erkannt hat, was über die Aussendung einer Farbe oder die Projektion eines Schriftzugs auf die Fahrbahn ausgedrückt werden kann. Am Heck leuchten Bremslichter je nach Intensität des Bremsvorgangs sanft, schrill oder blinkend auf. Manch einer wünscht sich vielleicht auch hier eine Botschaft, selbstredend an den Hintermann.
Wir kennen einen Land Rover, an dessen Hinterteil klebt der Spruch: „You can go faster, I can go anywhere“. Schon eröffnen sich weitere feine Möglichkeiten: „Fahren Sie nicht so dicht auf!“, „Lust auf einen Kaffee?“ und ultimativ: „Und tschüss….!“
