Liebe Leserin, lieber Leser,
hören
Sie auch so gerne hin, wenn Holländer Deutsch
sprechen? Das Singende darin macht mir gute Laune. Am Dienstagabend
wieder. Der Hafen-Klub hatte Jeroen Eijsink in die Räume an den
Landungsbrücken eingeladen. Der Niederländer hielt eine Rede vor
fast 150 Unternehmern aus der maritimen Wirtschaft. Eijsink ist der
gefragteste Neuzugang im Hafen: Seit Oktober führt der 53-jährige
Kaufmann die Hamburger Hafen und Logistik AG. Sie betreibt drei von
vier Containerterminals in der Stadt, ihr Chef hat viel Macht.
Er
habe die ersten Monate häufig auf den Terminals verbracht,
berichtete Eijsink. Einmal hockte er sich in die winzige Kabine oben
in einem Hafenkran und schaute dem Kranführer beim Laden und Löschen
zu. Er mache das, um “zu spüren und zu hören, was da so lebt”,
erzählte er. Und
er schlug vor: Die Hamburger sollten ihren Hafen doch weniger mit den
Häfen in Rotterdam oder Antwerpen vergleichen und lieber “immer
einen Ticken besser” arbeiten. “Wir sind Boxenschieber, und wir
sind verdammt gut darin.”
Was
mir durch den Kopf geht: In Hamburg leben 3.000 Menschen mit
niederländischem Pass, und Eijsink ist nicht der einzige mit
Spitzenjob. Rolf Habben Jansen, geboren
in Spijkenisse in Südholland,
leitet die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd. Wieso führen zwei
Niederländer die wichtigsten maritimen Konzerne?
“Das
ist kein Zufall”, sagte mir Jos Steeman. Er
sollte es wissen: Steeman
ist Niederländer, hat lange in der Hansestadt gearbeitet, und der
Bürgermeister hat ihn zum “Hamburg Ambassador” ernannt, zum
Brückenbauer also. In seiner Heimat gebe es viel Expertise zu
Schifffahrt und Logistik, die Manager seien im Ausland gefragt, so
Steeman. Er glaubt: “Wir sind oft risikobereiter und gehen
Innovationen schneller an.”
Jeroen
Eijsink hat im Hafen-Klub auch verraten, was sein persönliches
Rezept für den Hafen ist. Er will “das Poldern” einführen. Das
sei ein Kunstwort, es meint: Politik, Wirtschaft und Behörden müssen
sich öfter an einen Tisch setzen und Lösungen finden.
Ik
wens u een fijne dag!
Ihre Kristina Läsker
PS:
Heute erscheint die neue Ausgabe der ZEIT, Sie finden sie ab sofort
am Kiosk. Darin enthalten sind – wie immer am Ende des Monats –
eigene Hamburg-Seiten. Dieses Mal geht es um die
naturwissenschaftlichen Schätze der Stadt, um den Versuch, in
Hamburg Bürokratie abzubauen – und um den Schriftsteller Siegfried
Lenz, der im März hundert Jahre alt geworden wäre. Schauen Sie doch
mal rein.
Was heute wichtig ist
In
der Bürgerschaftsdebatte am Mittwoch hat die CDU das Ende der
Städtepartnerschaft mit St. Petersburg gefordert. Solange
Russland die Ukraine angreife und einen hybriden Krieg gegen
Deutschland führe, könne es keine Partnerschaft mit russischen
Städten geben, sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering.
Die
Reederei MSC hat 2025 mehr als 375.000 Container im Hafen
umgeschlagen. Man habe “mehr Menge auf
bestehenden Schiffen” transportiert, sagte Deutschland-Chef Nils
Kahn der ZEIT beim Spatenstich für die neue Zentrale in der
Hafencity. Die Genfer Reederei ist seit Ende 2024 am Hafenkonzern
HHLA beteiligt und hat zugesagt, dieses Jahr den Umschlag auf mehr
als 500.000 Container zu erhöhen.
Frauen
in Hamburg haben im vergangenen Jahr 17 Prozent weniger als Männer
verdient. Das teilte das Statistikamt
Nord mit. Frauen kamen im Schnitt auf 25,29 Euro brutto pro Stunde,
Männer auf 30,40 Euro. Bundesweit liegt der Verdienstunterschied bei
16 Prozent.
Der
Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Otto Dörner, Enno Simonis,
ist tot. Das schrieb der Hamburger
Mittelständler auf LinkedIn. Der 58-Jährige wurde beim
Heli-Skiing von einer Lawine erfasst. Der Unfall geschah vor einer
Woche in den Selkirk Mountains in Kanada.
Es
gibt eine neue Skulptur in der
Kunsthalle: Zonder
Titel (1993) von der belgischen
Künstlerin Berlinde De Bruyckere war im vergangenen Jahr im
Ernst Barlach Haus im Jenischpark zu sehen. Nun hat die Hermann Reemtsma Stiftung sie gekauft und der Kunsthalle
überlassen.
Aus Hamburg
“Ihr Herz, ihr Körper, ihr alles”
Wie
zwei Hamburger Schulleiter monatelang dafür kämpfen, ihre Schule
komplett handyfrei zu machen. Schaffen sie es, dass Eltern und
Jugendliche dafürstimmen? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem
Artikel von ZEIT-Redakteurin Jeanette Otto.
Björn Lengwenus will seinen Schülern das Handy wegnehmen – und als wäre
das nicht schon schwer genug, sollen die Jugendlichen das auch noch
gut finden. So haben sich Lengwenus, seit elf Jahren Schulleiter an
der Hamburger Stadtteilschule Alter Teichweg, und sein Stellvertreter
Jan Pohl das überlegt. Seit Monaten kämpfen sie für ein
Handyverbot, das nach den Sommerferien für alle Klassenstufen
gelten soll, auch für das Lehrerkollegium und für Besucher. An
diesem Winterabend ist es so weit: Der Moment der Abstimmung in der
Schulkonferenz ist gekommen.
“Wenn
wir das heute verlieren, treten wir dann eigentlich zurück?”,
fragt Lengwenus seinen Stellvertreter, als die beiden kurz vor 18 Uhr
ihr Büro verlassen, um eine Etage tiefer einen nur spärlich
beleuchteten, eiskalten Wintergarten zu betreten. Vertreter von
Schülern, Eltern und Lehrern sitzen dort bereit, diesen 12. Februar
2026 hatten sie sich seit Langem vorgemerkt.
Eineinhalb
Jahre ist es her, dass den Schulleitern klar wurde: So geht es nicht
weiter. Mit voller Wucht waren die Handys in den Alltag der Schule
eingeschlagen. Überall summt, vibriert und klingelt es. Im
Unterricht, in den Pausen, auf dem Klo. An die Regeln (“Kein Handy
unter einem Dach, nur draußen in den Pausen ist es erlaubt!”) hält
sich kaum noch einer. Ständig gibt es Streit und Tränen – und
fast immer gewinnen im Kampf um Aufmerksamkeit die Geräte. Für
eine Schule ist das ein Problem.
“Das
ist die schwierigste Entscheidung, die dieses Gremium je treffen
musste”, sagt Björn Lengwenus, als Lehrer, Schüler und Eltern in
der Schulkonferenz schon sehr erschöpft sind vom Diskutieren. Auf
das Glasdach fallen schwere Schneeflocken. Endlich verteilt Lengwenus
die 17 Stimmzettel.
Wie
es zu der Abstimmung kam und zu welchem Ergebnis sie kommt,
lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung. →
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“Da, wo ich bin, da ist der Mittelpunkt”
Uschi Obermaier,
viel bewunderte Rebellin der 68er-Bewegung, spricht über ihr
erfülltes, wildes Leben und darüber, wie sie in Portugal ein neues
Zuhause fand. Sie sprach mit Giovanni di Lorenzo im Interview für
die Geburtstagsausgabe der ZEIT – und verriet dabei auch, was sie
vom Humor der Hamburger hält. →
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Die
libanesische Künstlerin Huguette Caland (1931 bis 2019) ist in den
Deichtorhallen mit der Ausstellung “A
Life in a Few Lines” zu sehen. Die Retrospektive umfasst etwa 300 Werke – Gemälde,
Zeichnungen, Skulpturen und Textilarbeiten –, die zwischen
Abstraktion, Sinnlichkeit, politischem Engagement und sozialer
Beobachtung changieren.
“A
Life in a Few Lines”, bis 26.4., Deichtorhallen, Deichtorplatz;
Di–So,
11–18
Uhr, erster Donnerstag im Monat bis 21 Uhr
Meine Stadt
Hamburger Schnack
Ich
warte an der Kasse eines Supermarkts in Fuhlsbüttel. Vor mir legt
ein junger Mann viele Tüten mit Chips und Co. auf das Band.
Ich:
“Das wird aber eine große Fete.”
Er:
“Ja.”
Ich:
“Fete ist ein total veraltetes Wort, oder?”
Er:
“Ja. Man könnte auch Party sagen.”
Aber
wir sind uns einig: Hauptsache, es wird ein schönes Fest mit
Freunden.
Erlebt
von Nora Augustin
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