Liebe Leserin, lieber Leser,
vor der Geburt meiner
Tochter wusste ich nicht wirklich, was eine Schwangerschaftsvergiftung ist. Ich
habe das zum ersten Mal nach dem Satz meiner Frauenärztin gegoogelt: »Sie
müssen jetzt ins Krankenhaus!« Dort haben mich die Ärztinnen sehr
schnell in den OP und danach auf die Intensivstation befördertet, und damit
mein Leben und das meiner Tochter gerettet. An Präeklampsie, das weiß ich
heute, sterben jedes Jahr weltweit 76.000 Mütter und 500.000 Babys.
Ich lag danach lange in
der Klinik und über Monate fast nur im Bett. Ich konnte kaum gehen und alles
tat weh. Und ich war voller Sorge. Ob meine Tochter okay ist. Ob mein Herz
davon Schaden getragen hat oder mein Gehirn. Und ob meine Kraft zurückkehrt.
Und dann kam Udo.
Ich weiß nicht mehr, wer
das Lied angemacht hat, aber plötzlich lief es die ganze Zeit in unserer
Wohnung. »Ich trag dich durch die schweren Zeiten.« Nach und nach wurde mein
Kopf wieder klarer, ich summte die Melodie mit und wippte meine Tochter hin und
her. Und stand wieder auf.
Ich glaube nicht, dass
Udo Lindenberg das Ödem aus meinem Gehirn vertrieben hat, das waren die
Ärztinnen aus dem Agaplesion, und wahrscheinlich hätten all die Paare, die zu Cello
zum ersten Mal geknutscht haben, auch so zueinander gefunden. Womöglich wären jene, die sich zuhause eingeengt fühlten, auch ohne
Mach dein Ding ausgezogen, und gäbe es Wozu sind Kriege da? nicht,
hätten vielleicht – gut, diesen Punkt wollen wir mal überspringen.
Udo Lindenberg jedenfalls hat vielen Menschen Mut gemacht (Z+), er hat ihnen Leichtigkeit geschenkt und ihnen
gezeigt, wie sich Freiheit anfühlt. Und dass sie nicht allein sind. Wie ihm das
gelang? »Wenn man in der Lage ist, sich emotional zu erinnern, und nicht
wegflacht, schreibt man auch nach Jahrzehnten gute Songs, die Menschen etwas
bedeuten«, sagte er gerade erst den Kolleginnen und Kollegen der dpa.
Gestern ist Udo Lindenberg, einer der 37 Ehrenbürger dieser Stadt, 80 Jahre alt geworden. Zum
Geburtstag gibt es eine Ausstellung, ein Tributalbum, einen Linienbus mit Udo-Kunstwerk und eine Doku, die
heute Abend um 20.15 Uhr im Ersten oder hier zu sehen ist.
Ich glaube, sich zu
diesem Ereignis wieder einmal mit ihm zu beschäftigen, lohnt sich. Schon wegen
all der emotionalen Erinnerungen, die dann aufploppen. Wenn Sie mir übrigens
Ihre Udogeschichte erzählen wollen, freu ich mich: hamburg@zeit.de, Betreff »Udo«.
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!
Ihre Maria Rossbauer
Wollen
Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten
sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.
WAS HEUTE WICHTIG IST
Die Fußballerinnen
des HSV sicherten sich am Sonntag den Verbleib in der Ersten Bundesliga.
Sie verloren zwar 0:1 gegen den FC Bayern München, es reichte jedoch für
Platz zwölf und damit für den Klassenerhalt. Mit 17.637 Zuschauern
verzeichneten sie bei dem Spiel im Volksparkstadion einen Rekord. Auch
die Männer des HSV werden in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga
spielen, sie erreichten Platz 13.
Bei einem Auffahrunfall auf der A1
bei Moorfleet wurden drei Menschen schwer und drei leicht verletzt,
darunter ein achtjähriges Kind. Der 27-jährige Fahrer, der alkoholisiert und
mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war, flüchtete laut Polizei schwer
verletzt zu Fuß vom Unfallort. Er wurde später im Krankenhaus
angetroffen.
Das
Bezirksamt Nord geht aktuell gegen wild gelagerte Wassersportgeräte
an Kanälen und der Außenalster vor. Zurückgelassene Kanus, Kajaks und
Stand-up-Paddleboards würden unter anderem die Pflege der Grünflächen
behindern, heißt es dazu. Schilder machen nun auf das Lagerungsverbot
aufmerksam, ab Ende Juni will der Bezirk die Geräte entfernen lassen.
Die wegen eines Wasserrohrbruchs für mehrere Tage gesperrte Bundesstraße 73 in Harburg ist wieder befahrbar. Die
Vollsperrung wurde am Sonntag aufgehoben. Auf der nördlichen Fahrbahnseite wurde
nun eine provisorische Verkehrsführung eingerichtet, es steht derzeit jeweils
eine Fahrspur pro Fahrtrichtung zur Verfügung.
AUS HAMBURG
Wir sind dann mal weg
Der FC St. Pauli ist in die Zweite
Bundesliga abgestiegen. ZEIT-Redakteur Urs Willmann ist Fan, er war am
Wochenende im Stadion dabei und findet: Bundesligareif war dieses Team schon
länger nicht mehr. Lesen Sie hier einen Auszug
aus seinem Artikel:
Früher hieß die Dauerkarte für das
Millerntorstadion noch »Masokarte«: Wer sich Spiele des FC St. Pauli anschaute,
suchte freiwillig das große Leiden, angereichert mit Pathos – so war das
Klischee. Tatsächlich blieb die Bedeutung sportlicher Leistungen in der Regel
überschaubar. Es wurde als kreatives, spielerisches Element gefeiert, wenn ein
Spieler den Ball archaisch in Richtung Stratosphäre drosch.
Bevor wir 2024 in die Erste Bundesliga aufstiegen, hatte sich dies
erfreulicherweise geändert. Mit ansehnlichem Gekicke, schnellem Umschaltspiel,
erkennbaren taktischen Zügen und Ballsicherheit hatten wir uns in der Zweiten
Liga an die Spitze gespielt. Und mit einem Trainer, der inzwischen erfolgreich
in der Premier League coacht.
Auch danach war es noch okay: Mithilfe einer bärenstarken Defensive hielten
wir die Erste Klasse. Doch im Laufe der nun vergangenen Saison veränderte sich
unser Spiel. Vom jetzigen Trainer kamen keine Impulse, und erst recht nicht vom
Verein. Der Mannschaft fehlten offensichtlich die Akteure, die hätten holen
können, was es zum Klassehalten nun mal braucht: Punkte. Selten haderte ich so
mit meinem Verein, wie diesmal nach dem letzten Spieltag.
Es ist eine Stunde vor dem Endspiel gegen den VfL
Wolfsburg, inklusive Fernduell gegen den 1. FC Heidenheim, das im Spiel gegen
den 1. FSV Mainz 05 ebenfalls die letzte Chance zum Klassenerhalt nutzen kann.
Ausgangslage für alle drei: Wer (hoch genug) gewinnt, darf gegen den
Drittplatzierten aus der Zweiten Bundesliga in die Relegation und noch einmal
hoffen. Als ich im Millerntorstadion auf der Gegengeraden ankomme, ist die
schon voll, und das Bier bei den meisten auch nicht das erste. Neben mir auf
der Stehtribüne, Sektor E, steht wie immer auch mein langjähriger Freund
Carlos, Spitzname »Meckerecke«.
Was Urs Willmann am
Wochenende im Millerntorstadion erlebte und warum ihn der Frust darüber mehr lähmt als je zuvor, lesen Sie in der ungekürzten Fassung des Texts. → Zum Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
Der
Walsturz
Der in der Ostsee gestrandete und dann in die Nordsee geschleppte Wal Timmy ist
tot – er wurde samt dem an ihm angebrachten Tracker nun vor der dänischen Insel
Anholt gefunden. Aber was folgt nun? ZEIT-Redakteurin
Elisabeth von Thadden hat sich Gedanken dazu gemacht – und dabei Weltliteratur
zu Rate gezogen. → Zum Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Diesen Samstag startet das 18. Hamburger Theater Festival. Bis zum 21. Juni gibt es dabei wieder
aktuelle Inszenierungen aus Deutschland und Österreich in Hamburg. Das Programm
wird mit einer Bühnenfassung von Vladimir Sorokins Der Schneesturm, produziert
vom Düsseldorfer Schauspielhaus zusammen mit den Salzburger Festspielen,
eröffnet.
Wir verlosen fünfmal zwei Karten für die zweite Vorstellung des Stücks am Sonntag,
den 24. Mai, ab 18 Uhr im Thalia Theater. Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr,
eine E-Mail mit dem Betreff »Schneesturm« an
hamburg@zeit.de. Die Gewinner
werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück!
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
In der Gärtnerei. Ein junger
Mann: »Ich suche eine ›Ich betrüge meine Frau‹-Pflanze. Haben Sie die?« Nach
einem Stutzen die Antwort: »Ach so, Sie meinen Männertreu, ja, die haben wir.«
Gehört von Inge Volk
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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