Liebe Leserin, lieber Leser,
am
Wochenende war ich mit einer Freundin auf einem Flohmarkt in München.
Neben den Ständen dufteten Empanadas und Ceviche von einem
lateinamerikanischen
Foodmarkt, und in einer Affenlautstärke wurde zum Salsatanzen
animiert.
Trotzdem
stutzten wir am Eingang: acht Euro Eintritt? Wären wir gekommen,
hätten wir das vorher gewusst? Und welcher Preis hätte weniger
wehgetan?
Eintrittsschmerz
gibt es jetzt auch in der Elbphilharmonie. Seit heute kostet der
Zugang zur Plaza fünf Euro. Zur Eröffnung hatte der damalige
Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gesagt: »Die Plaza ist ein
öffentlicher Ort, frei zugänglich für jedermann und jede Frau.«
Ich
habe jahrelang meinen halben Familien- und Freundeskreis – von
München bis Mexiko – dort hinaufgeschleppt. Hier auf der
glitzernden Rolltreppe, wenn ich in die staunenden Gesichter sah, war
ich immer ein bisschen stolz, in Hamburg zu leben.
Kultursenator
Carsten Brosda (SPD) erklärte die Einführung des Eintritts damit,
dass sonst an anderer Stelle im Kulturbereich hätte gekürzt werden
müssen. Man habe den Zugang länger als geplant kostenlos angeboten.
Der
ermäßigte Preis – etwa für Jugendliche, Studierende oder
Menschen ohne Job – liegt bei drei Euro. Kleinkinder und
Schulklassen zahlen weiterhin nichts. Und ganz tröstlich: Wer sein
Plaza-Ticket online über ein Kundenkonto kauft, erhält ein
Guthaben, das beim Kauf von Konzerttickets eingelöst werden kann.
Quasi wie bei Sanifair-Autobahntoiletten. Andererseits: Genau wie
die teuren Raststätten-Schokoriegel muss man sich auch
Konzerttickets erst mal leisten können, damit das was nützt.
Ich
sehe ein, dass ein Touristenmagnet wie die Elbphilharmonie als
Geldquelle für die Stadt taugt. Aber wäre es so kompliziert
gewesen, den Eintritt für in Hamburg gemeldete Menschen kostenlos
oder vergünstigt zu ermöglichen? Bei Sehenswürdigkeiten im Ausland
habe ich so was erlebt.
Werde
ich weiterhin Freunde auf die Plaza einladen? Bestimmt. Werde ich
vorher zweimal darüber nachdenken, ob ich das Geld nicht doch lieber
auf dem Flohmarkt verprasse? Davon ist auszugehen.
Kommen
Sie gut in die Woche!
Ihre
Viola Diem
Was heute wichtig ist
Hamburgs Justizsenatorin
Anna Gallina (Bündnis 90/Die Grünen) behält den Vorsitz der
Justizministerkonferenz länger
als ursprünglich geplant. Der Staffelstab wird nicht am 1. Januar
2027 an Sachsen-Anhalt, sondern in der zweiten Jahreshälfte an
Hessen übergeben. Hintergrund ist die bislang
nicht abgeschlossene Regierungsbildung in
Sachsen-Anhalt. Die dortige Justizministerin Franziska Weidinger (CDU)
bezeichnete das Vorgehen als »sachgerechte und verantwortungsvolle
Lösung«.
Nach
den beiden Rohrbrüchen vergangene Woche sind
inzwischen wieder alle betroffenen Haushalte an die
Trinkwasserversorgung angeschlossen.
Die
Reparaturen an den Straßen dauern aber weiter an, so bleibt etwa die
Amsinckstraße gesperrt. Dort war der Asphalt großflächig
aufgefräst worden. Informationen
zur Bauplanung und Leitungssanierung sollen diese Woche folgen.
Der
Volksentscheid
zum bedingungslosen Grundeinkommen wird nicht wiederholt.
2025 stimmten 62,7 Prozent gegen den Modellversuch. Die Initiatorinnen zogen danach vor das Verfassungsgericht, welches
jedoch für eine Wiederholung der Abstimmung keinen Anlass sah.
Asylbewerber
müssen in Hamburg im Schnitt 98 Arbeitstage auf einen
Leistungsbescheid warten.
Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linken
hervor. Damit
habe sich der Bearbeitungszeitraum seit Einführung eines speziellen
Webportals für das Antragsverfahren im Februar um mehr als ein
Viertel verlängert.
Zugleich stieg seit Januar die Zahl der Eilverfahren am Sozialgericht
um 40 Prozent.
Hochbahn-Vorstandssprecher
Jens-Günter
Lang hält es weiterhin für realistisch, den Bau der U5 bis 2040
abzuschließen. Beim
zweiten
Bauabschnitt ist es bereits zu Verzögerungen gekommen. Die verlorene
Zeit sei aufholbar, sagt Lang.
Aus Hamburg
Wie Hamburg an den Gymnasien spart
Schulleitungen
und Lehrkräfte schlagen Alarm: Es gebe bald weniger Kurse, mehr
Unterrichtsausfall, sogar die Klassenfahrt sei in Gefahr. Die
Schulbehörde widerspricht. Lesen
Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Oskar
Piegsa.
An
Hamburgs weiterführenden Schulen herrscht Unruhe: Die VLHGS, eine
Vereinigung der Leitungen von Gymnasien, warnt vor »drastischen«
Einsparungen.
Die Elternkammer beklagt »Kürzungen
auf Kosten der Kinder«.
Und die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft befürchtet
»Chaos«.
Ihnen allen geht es um die geplante »Erhöhung der Basisfrequenzen«
ab dem kommenden Schuljahr 2027/28. Der Begriff dürfte vielen
Menschen außerhalb des Schulsystems rätselhaft erscheinen. Die
Folgen werden aber spürbar sein, warnen Fachleute.
Denn
die Basisfrequenzen regeln die Zuweisung von Personalmitteln an die
Schulen. Steigen die Frequenzen, sinken die Mittel. Pointiert gesagt
gibt es in Zukunft weniger Lehrkraft pro Kind. Das hat
Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) beschlossen, um ihre
senatsinternen Sparauflagen zu erfüllen. Man beabsichtige »eine
Reduzierung der Stellenzuweisungen«, bestätigt Behördensprecher
Peter Albrecht auf Anfrage der ZEIT. Laut Berechnungen von Yvonne
Heimbüchel und Nadine Utz, die sich im Gesamtpersonalrat
der staatlichen Schulen in Hamburg engagieren,
wird ein durchschnittliches vierzügiges Gymnasium 2,5 seiner bislang
rund 45 Vollzeitstellen verlieren.
In
der Folge, so erwarten es die beiden Lehrervertreterinnen, werde es
größere Klassen geben, ein geringeres Fächerangebot, häufigeren
Ausfall von Unterricht und möglicherweise auch einen Abbau von
Angeboten wie dem Schulchor oder der Begabtenförderung. Arne Wolter
aus dem Vorstand der VLHGS teilt diese Erwartungen. Lehrkräfte
hätten in Zukunft auch weniger Zeit, um auf individuelle Sorgen und
Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen, sagt er.
Heimbüchel
und Utz befürchten sogar, dass Klassenfahrten in Zukunft öfter
ausfallen könnten. Die Bildungsbehörde widerspricht diesen
Darstellungen in weiten Teilen, dazu später mehr.
Was
die Behörde dazu sagt und wie die Situation so weit kommen konnte,
lesen Sie in der ungekürzten Fassung. →Zum
Artikel (Z+)
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Wenn Debussy auf TikTok trifft
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vermittelt.→
Zum
Artikel (Z+)
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