Nächste Niederlage, nächster herber Rückschlag: Die Eishockey-Nationalmannschaft verlor bei der WM in der Schweiz nicht nur mit 0:2 (0:1, 0:1, 0:0) gegen Lettland, sondern droht zum zweiten Mal in Serie das WM-Viertelfinale zu verpassen. Mit zwei Pleiten und nur einem erzielten Treffer steht das Team von Bundestrainer Harold Kreis stark unter Druck. An diesem Montag (20.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) kommt es zum Duell mit Gastgeber und Vizeweltmeister Schweiz.
«Es ist nicht gut genug gerade. Da müssen wir ehrlich sein», monierte Stürmer Dominik Kahun bei ProSieben. «Wir erwarten mehr von uns.» Trainer Kreis ärgerte sich über die schwachen ersten 30 Minuten und einem 0:2-Rückstand. «Wir haben erst nach zehn Minuten im zweiten Drittel Gas gegeben.
«Gegen die Letten haben wir noch eine Rechnung offen», hatte Coach Kreis direkt vor dem Match gefordert. Bei Olympia 2026 in Mailand verlor die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes trotz Star-Aufgebots um Leon Draisaitl überraschend mit 3:4 gegen Lettland.
Dominanz, wie von Kapitän Moritz Seider gefordert, zeigte die deutsche Mannschaft von der ersten Sekunde an. Gute Torchancen gab es im ersten Drittel jedoch kaum, auch wenn mit Lukas Reichel (Boston Bruins) der vierte NHL-Profi nach Philipp Grubauer, Seider und Joshua Samanski zum Einsatz kam. An seinem 24. Geburtstag brachte Reichel viel Geschwindigkeit in die Partie, helfen konnte er der Nationalmannschaft nicht sofort.
Konterstarke Letten eiskalt
Die auf Konter-Spezialisten aus Lettland überließen dem Kreis-Team zwar die Kontrolle, besaßen aber die besseren Gelegenheiten. Wie schon zum Auftakt gegen Finnland konnte sich Deutschland auf den Torhüter verlassen: NHL-Keeper Grubauer bekam mehr zu tun als erhofft und bewahrte sein Team vorerst vor einem Gegentreffer.
Kurz vor Ende des ersten Drittels fiel dennoch der verdiente Rückstand – nach einem Fehler im Spielaufbau. Martins Dzierkals von Sparta Prag hatte viel zu viel Zeit und traf zum 0:1 (19.). Grubauer hatte beim Schuss keine Sicht. «Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen. Dann wurde Lettland besser und wir haben nachgelassen», erklärte Frederik Tiffels.
Eine Besserung gab es im zweiten Drittel nicht – im Gegenteil. Rudolfs Balcers stand nach einer abermaligen Unkonzentriertheit der deutschen Abwehr frei vor Grubauer und ließ dem NHL-Torhüter keine Chance (25.). Die lettischen Fans in Zürich feierten, die deutschen Anhänger hatten dagegen erneut nichts zu lachen.
Reaktion nach zweitem Gegentor
Der zweite Gegentreffer hat zumindest für eine kleine Reaktion gesorgt. Die deutsche Mannschaft kam zu Gelegenheiten. NHL-Profi Samanski lief allein auf das lettische Tor zu, scheiterte jedoch am lettischen Keeper Kristers Gudlevskis von den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Der Schussmann aus der Seestadt wurde immer mehr zum Mittelpunkt. Zehn Minuten drückte die DEB-Auswahl auf den Anschluss, doch Gudlevskis zeigte seine Stärken. «Wir haben jetzt noch 20 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen», sagte Seider.
Die Hoffnungen des NHL-Stars erfüllten sich allerdings nicht. Lettland verwaltete das 2:0. Deutschland probierte viel, griff über die schnelle Reihe mit Reichel, Samanski und Tiffels an. Vor dem Tor blieb die Mannschaft weiter glücklos und insgesamt in der Offensive zu harmlos. Auch das frühe Herausnehmen von Torhüter Grubauer und einem Spieler mehr auf dem Eis blieb ohne Wirkung.
Es droht die nächste deutsche Eishockey-Enttäuschung, weil mit der Schweiz am Montag der vielleicht härteste Gegner der Vorrunde erwartet. «Sie sind der WM-Mitfavorit. Es bleibt uns nichts anderes übrig. Wir müssen die Sachen, die derzeit fehlen, einfach besser machen und öfter auf das Tor schießen», forderte Kahun.
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