Noch bevor das erste Training der neuen Saison offiziell begonnen hatte, standen die Spielerinnen von Eintracht Frankfurt bereits auf dem Trainingsrasen vor dem Deutsche Bank Park, spielten sich die Bälle zu, tauschten sich aus. Es ist das erste Mal seit zwei Monaten, dass die Gruppe zusammen trainiert.
Zuvor kamen sie gemeinschaftlich mit dem Fahrrad am Trainingsgelände an. Nach einer kurzen Ansprache im großen Kreis von Trainer Niko Arnautis und Katharina Kiel, Direktorin Frauenfußball, begannen die Einheiten. Ein betont lockerer und gemeinschaftlicher Auftakt, der den Blick nicht darauf verstellen sollte, was Arnautis in den kommenden Wochen erwartet: eine der vielleicht größten Baustellen, die er in Frankfurt bislang vorgefunden hat.
Starker Qualitätsverlust im Team
Es ist ein Muster, das sich in Frankfurt zu wiederholen beginnt. Schon im vergangenen Sommer hatte die Eintracht elf Abgänge und zehn Zugänge zu verkraften, jetzt steht der nächste Umbruch an. Bislang sind acht Spielerinnen weg, fünf neu. Und die Vorbereitung hat gerade erst begonnen. Auch wegen der Marktkräfte kann sich der Verein diesem Neuanfang nicht verschließen: Er verliert regelmäßig Spielerinnen, die in Frankfurt ausgebildet wurden, an finanzstärkere Klubs.
Die Abgänge treffen dabei tragende Säulen: Lisanne Gräwe, Elisa Senß, Nicole Anyomi und zuletzt Géraldine Reuteler haben den Verein verlassen. Auch der Vertrag von Remina Chiba, die in 72 Pflichtspielen 20 Tore erzielte, lief ohne Einigung aus. Ob die fünf Neuzugänge – zuletzt kam die Schwedin Hanna Bennison, die von Real Madrid an den Main wechselte – diesen Qualitätsverlust auffangen können, wird sich zeigen müssen.

Eine tragende Rolle könnte in dieser Saison abermals Sara Doorsoun spielen. Die 34 Jahre alte Abwehrspielerin steht seit Januar wieder im Kader von Eintracht Frankfurt, nachdem sie ihren Vertrag beim US-amerikanischen Klub Angel City FC nach nur einem halben Jahr wegen Heimweh aufgelöst hatte.
Trotz der personellen Verluste will Trainer Arnautis weiter wachsen: Vor allem im Mittelfeld und in der Offensive sollen Spielerinnen dazukommen. Sollte es aber beim aktuellen Kader bleiben, bleibt er gelassen: „Wir haben eine gute Basis.“ Investitionen seien nicht immer in Geld messbar, sondern in der „Power“, die man hineinstecke. Man habe in den vergangenen 15 Jahren bewiesen, sowohl Konstanz zeigen als auch einen Neuaufbau bewältigen zu können. „Da hilft natürlich die Erfahrung und die Routine, die man schon hat.“
Training ohne Laura Freigang
Eine Spielerin wurde auf dem Rasen vermisst: Laura Freigang. Die 28 Jahre alte Stürmerin ließ sich wegen einer Erkältung und Gliederschmerzen entschuldigen. Trotz des laufenden Verfahrens der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) gegen sie wollte sie ursprünglich gemeinsam mit ihrem Team am Mittwoch trainieren. Daran wird auch für weitere Zeit in der Saisonvorbereitung festgehalten, wie Arnautis betont: „Sie trainiert ganz normal, wir gehen ganz normal damit um.“

Dreimal hatte die vierundvierzigmalige Nationalspielerin innerhalb von zwölf Monaten eine unangekündigte Dopingkontrolle verpasst. Die NADA wertete dies als Verstoß gegen die Meldepflicht und hat den Fall an den Deutschen Fußball-Bund übergeben. Freigang selbst spricht von „Missverständnissen“ bei der tagesaktuellen Eingabe ihrer Aufenthaltsdaten. Ihr droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Bis zu einer Entscheidung, die erst in einigen Monaten fallen könnte, bleibt sie spielberechtigt und wird nicht suspendiert. So habe sie auch den Gesundheitscheck am Dienstag absolviert.
Ob Freigang weiterhin als Kapitänin das Team anführen wird, ließ Arnautis offen: „Wir haben es auch in der Vergangenheit so gemacht, dass wir alles im Laufe der Vorbereitung mit der Zeit machen. Das werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben.“ Weiter fügte er hinzu: „Ihr geht es gut. Dass das Verfahren nicht schön ist, ist auch klar. Sie geht aber super damit um.“
Miniturnier im Heimatstadion
Knapp vier Wochen haben die Eintracht-Frauen noch Zeit, sich für die erste große Bestandsprobe vorzubereiten. Dann findet das Miniturnier der zweiten Qualifikationsrunde der UEFA Women’s Champions League im Stadion am Brentanobad statt.
Nachdem sie im letzten Jahr an Real Madrid gescheitert waren und den Einzug in die Ligaphase der Königsklasse verpasst hatten, setzen die Frankfurterinnen alles daran, nun besser abzuschneiden. Sie treffen im Halbfinale auf AC Omonia Nikosia, während das norwegische Team Vålerenga Oslo gegen Malmö FF antritt. Nicht zuletzt auch wegen des Heimvorteils ist Sara Doorsoun positiv gestimmt. Dem Wettbewerb schaut die Abwehrspielerin positiv entgegen: „Zu Hause spielen macht schon was mit einem.“
