Frankfurt vor Pokalspiel :
Ein von Zweifeln begleiteter Saisonauftakt der Eintracht

dpa
Der Gegner im DFB-Pokal sollte für die Eintracht keine große Hürde darstellen. Vor dem Spiel steht der Kader im Fokus – und die Sorgen, die ein „fürchterlicher Tag“ in der Vorbereitung verursacht hat.
Das Wichtigste vornweg: Adi Hütter kann noch lächeln. Das blamable 0:7 seiner Mannschaft im Testspiel gegen Brentford am vergangenen Wochenende scheint der Eintracht-Trainer erst mal hinter sich gelassen zu haben. Es ist Mittwochmittag im Profi Camp, Hütter kommt durch die Vordertür in Begleitung des Pressesprechers und geht im Pressekonferenzraum zielstrebig zu seinem Platz auf dem Podium. Freundlich blickt Hütter in die Runde der Journalisten. Von der Last des ungenügenden Auftritts auf der Insel ist ihm nichts anzumerken.
Der Ort im Profi Camp ist ihm vertraut. Anfang Juni stellte die Eintracht ihren neuen, alten Trainer an gleicher Stelle vor. Jetzt, gut zweieinhalb Monate später, sein erster Pressekonferenz-Pflichttermin: Im ersten Pflichtspiel der neuen Saison trifft die Eintracht an diesem Freitag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) in Krefeld im DFB-Pokal auf den SC St. Tönis. Einen Oberligaverein vom Niederrhein aus einem Ortsteil der Stadt Tönisvorst.
Der fünftklassige Gegner aus der „Apfelstadt“, knapp 40 Kilometer westlich von Düsseldorf beheimatet, ist mit einem 3:2-Heimsieg über die 1. Spvg. Solingen Wald03 in die Saison gestartet. Hütter beschreibt die Stärken des Teams vom Niederrhein, er habe vor jedem Gegner „Respekt“, sagt Hütter im Verlauf der Pressekonferenz. „Wir nehmen den Gegner sehr, sehr ernst.“
Dass es beim Frage-Antwort-Spiel zwischen dem Trainer und den Medienvertretern schnell ernst wird, hat aber nichts mit der Herausforderung in der ersten Pokalrunde zu tun. Die Aufgabe sollte keine Hürde für den großen Favoriten darstellen.
Sportvorstand Markus Krösche steht mächtig unter Druck
Anlass ist vielmehr das finale Testspiel der Saisonvorbereitung, das in extremer Form danebenging und daher stark nachwirkt. Das 0:7 gegen den Premier-League-Klub Brentford, der auf der Insel nicht zur Spitzenklasse seiner Liga zählt, hat in Frankfurt viele im Verein aufgeschreckt und eine Menge Fragen aufgeworfen. Mit einem Schlag herrscht Alarmstimmung. Aus Vorfreude auf das neue Spieljahr und Zuversicht sind große Zweifel mit Blick auf die momentane Zusammenstellung des Kaders geworden.
Sportvorstand Markus Krösche steht nun mächtig unter Druck. Seine Vorgehensweise auf dem Transfermarkt scheint auch in den eigenen Reihen dem einen oder anderen nicht schlüssig zu sein. Vor allem in der Defensive bestehen gut eine Woche vor dem Bundesligastart bei Union Berlin große Lücken.
Hinzu rückte auf den letzten Drücker doch noch das Torwartproblem auf die Tagesordnung. Nachdem Kaua Santos seine Fehleranfälligkeit auch unter Hütter nicht in den Griff bekommen hat, hieß es in den vergangenen Tagen, dass der Trainer Handlungsbedarf sehe. Er dränge auf eine neue Nummer eins, die Klasse verkörpere und Stabilität garantiere.
Am Mittwoch äußerte sich Hütter zum ersten Mal öffentlich zu dem Thema. Auf die Frage, wer in Krefeld im Tor stehe, antwortete er knapp: „Kaua Santos.“ Kurz darauf sagte der Trainer in der gleichen Sache: „Wir werden jetzt mit Kaua Santos ins Spiel gehen. Und dann schauen wir, was noch passiert.“
Einer weiteren Nachfrage, ob er sich im Tor denn eine Neuverpflichtung wünsche, wich Hütter aus. „Das Wichtigste ist, dass der Trainer mit dem Personal arbeitet, das hier ist. Dem gilt auch meine komplette Aufmerksamkeit.“ Mehr war von Hütter nicht zu erfahren. Offenbar wollte er die aufgekommene Unruhe mit Aussagen nicht weiter befeuern.

Trotzdem: Wunschkandidat zwischen den Pfosten soll der Noch-Freiburger Noah Atubolu sein. Der 24-Jährige wäre die vermeintliche Königslösung, die dementsprechend ihren Preis hätte. Die Rede ist von einer Ablösesumme in Höhe von 15 bis 20 Millionen Euro. Aber auch Lukas Hradecky scheint in den Frankfurter Überlegungen eine Rolle zu spielen. Der 36-Jährige steht bei der AS Monaco unter Vertrag und kennt die Eintracht bestens.
Von 2015 an spielte der finnische Nationaltorhüter drei Jahre am Main, bevor er nach Leverkusen wechselte. Aber wäre Hradecky, der auch kein Kleinverdiener ist, angesichts seines Alters auch eine sinnvolle Zukunftslösung? Fest stünde bei der Verpflichtung eines neuen Torwarts, dass Kaua Santos wohl keine Perspektive mehr in Frankfurt hätte.
Kapitän Robin Koch ist im Pokal einsatzbereit
Den Brasilianer müsste die Eintracht, bei der Präsident Mathias Beck auf der Mitgliederversammlung am 19. Oktober abermals kandidieren wird – der Verwaltungsrat und der Wahlausschuss haben dessen Kandidatur am Dienstag einstimmig bestätigt –, verleihen oder verkaufen, sofern es für den Torwart einen Markt gibt. Könnte sich Michael Zetterer zudem mit dem Status des Ersatztorhüters nicht anfreunden, wären die Frankfurter im Fall seines Weggangs vermutlich gezwungen, ein zweites Mal auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Unter den Torhütern würde es zum Ende der Transferperiode viel Bewegung geben.
Zu allem Überfluss birgt auch Frankfurts Defensive mit ihrem instabilen Gerüst reichlich Gefahren. Nach den Abgängen von Nathaniel Brown (Bayern München), Rasmus Kristensen (FC Midtjylland) und Aurèle Amenda (Coventry City) hinterließ zuletzt selbst der erfahrene Abwehrchef Robin Koch keinen gefestigten Eindruck. Im Duell mit Brentford erlitt der Kapitän außerdem eine Gehirnerschütterung. Im Krefelder Grotenburg-Stadion, der ehemaligen Kampfbahn, wird er aber wohl wieder zum Einsatz kommen. „Robin macht gute Fortschritte“, sagte Hütter.
Der brasilianische Neuzugang Otavvio verfügt in seiner derzeitigen Verfassung kaum über Bundesliganiveau. Nmandi Collins plagen nach wie vor Rückenbeschwerden, seine Rückkehr ist nicht absehbar. Und Arthur Theate würden die Frankfurter, bei denen auch die Außenpositionen mit Keita Kosugi und Elias Baum nicht ideal besetzt zu sein scheinen, gern für eine stattliche Ablösesumme abgeben.
Im Gegenzug ist dringend Verstärkung geboten. Zu den Kandidaten sollen der ehemalige Nationalspieler Thilo Kehrer (AS Monaco) und der Portugiese Diogo Leite (sein Vertrag bei Union Berlin ist ausgelaufen) zählen. „Wir versuchen, noch das Bestmögliche zu machen“, sagte Hütter, ohne auf einzelne Namen einzugehen. Dann fügte er hinzu: „Ich bin dennoch sehr zuversichtlich.“ Auch mit Blick auf einen wunden Punkt in seiner Trainer-Vergangenheit.
2018 war Hütter bei seinem ersten Pflichtspiel mit der Eintracht in der ersten Pokalrunde beim Viertligaklub aus Ulm überraschend ausgeschieden. Dass ihm das noch einmal passieren wird, vermag sich der Österreicher nicht vorzustellen. „Der DFB-Pokal ist für uns immens wichtig, weil wir in dieser Saison international nicht spielen.“
Nach dem 0:7 gegen Brentford – „das war ein rabenschwarzer Tag“ – sieht Hütter seine Mannschaft jetzt in der Pflicht, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. „Ich war selbst überrascht, wie sich die Mannschaft präsentiert hat. Das geht in dieser Form überhaupt nicht“, kritisierte er. Aber: „Hinter uns liegen fünf richtig gute Trainingswochen mit einem Tag, der fürchterlich war.“
Aus einer „sehr guten Vorbereitung“ sei deshalb „nur eine gute“ geworden. Trübsal bläst Adi Hütter in diesen Tagen trotz mancher Schwierigkeiten nicht. Kurz bevor der Trainer am Mittwoch den Pressekonferenzraum wieder verließ, lachte er im Dialog mit den Journalisten sogar.
