Grundsätzlich mag die Frankfurter Eintracht die Zahl 59 sehr. Sie wird verehrt und beispielsweise gerne genutzt, wenn Veranstaltungen um 19.59 Uhr angesetzt werden statt einfach nur um 20 Uhr. Die 59 steht für den bislang einzigen deutschen Meistertitel im Fußball. Deshalb passte es ganz gut, dass in den vergangenen Jahren seit der Erweiterung der Nordwestkurve statt zuvor 51.500 mehr als 59.000 Zuschauer im Waldstadion Platz gefunden haben.

Nun aber hat die Eintracht die 59 „geopfert“, indem sie die Stadionkapazität auf 60.100 Plätze erhöht hat. Gelungen ist das vor allem durch einen Kniff, der wiederum zum Fußball aus den guten alten Zeiten rund um 1959 passt. Die Fans der Adler müssen schlicht etwas enger zusammenrücken. Dabei geht es aber nicht um jene Fans, die auf den Stehplätzen ohnehin schon freiwilligen wie unfreiwilligen Körperkontakt mit Nebenleuten spätestens beim Torjubel gewohnt sind.
Dieses Mal ist die Eintracht den Zuschauern auf den teuren Plätzen zu Leibe gerückt. Bei den neuen Stühlen im Businessbereich ist die Sitzfläche minimal weniger breit, eine Abmagerungskur soll aber noch nicht Vorgabe sein für den Kauf von Businessplätzen. Die Vermarkter der Hospitality-Plätze, wie die Sitze der früher VIPs und 1959 wohl Ehrengäste genannten Anhänger heutzutage offiziell heißen, haben vor Monaten zudem festgestellt, dass rund 500 Plätze zusätzlich zu generieren sind, wenn man bei der Erneuerung sämtlicher Sitzschalen im Businessbereich zusätzlich auf eine der beiden Armlehnen zwischen jeweils zwei Plätzen verzichtet und die Stühle dadurch näher zusammenrückt. Außerdem hat die Eintracht auch rund um die Pressetribüne die Sitzverteilung leicht modifiziert, wodurch insgesamt 600 Plätze neu gewonnen worden sind.
Für die Eintracht, die eine lange Warteliste für die begehrten Plätze pflegen darf, ist der Einbau der zusätzlichen Plätze ein lohnendes Unterfangen. Je nach Kategorie kostet ein solcher Platz laut Eintracht-Homepage allein für die 17 Bundesliga-Heimspiele 5100 bis 7750 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Auf eine Saison gerechnet ist eine Umsatzsteigerung von mehr als drei Millionen Euro möglich – eine stolze Summe für ein paar Zentimeter mehr Fannähe.
Schon beim ersten Heimspiel der neuen Bundesligasaison gegen den FC Augsburg am 6. September möchte die Eintracht nun nach Worten von Vorstand Philipp Reschke einen neuen Besucherrekord für die moderne Ära der Arena aufstellen. Jener aus der guten alten Zeit wird freilich noch lange Bestand haben und selbst nach dem bereits angedachten Ausbau nicht zu übertreffen sein. Gegen den FK Pirmasens zwängten sich einst einmal, als es noch keine Armlehnen und deutlich mehr Stehplätze im damals noch weiten Rund gab, 81.000 Menschen rund ums Spielfeld. Das war natürlich 1959, auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft.
