Dies ist ein so feines und unangestrengtes Buch, das die warmen und faulen Tage des Jahres gleich im Titel trägt: Ein Sommer mit Goethe. Dem Essayisten, Historiker und Kritiker der Süddeutschen Zeitung Gustav Seibt ist das große Kunststück geglückt, ein Goethe-Buch für Laien und Experten gleichermaßen zu schreiben. »Es ist keine Schande, Goethe nicht gelesen zu haben. Es ist nur schade«, schreibt Seibt lakonisch und erzählt, dass er im Unterricht an einem humanistischen Gymnasium der Siebzigerjahre selbst von Goethe keine Zeile gelesen habe – die Lehrer seien derart anspruchsvoll gewesen, dass ihnen Goethe als Schulstoff zu naheliegend vorgekommen sei. Auf den bekanntesten Dichterklassiker der Deutschen ist Seibt als Jugendlicher eigenständig gestoßen, und es ist davon auszugehen, dass dieses Buch, das es in die Bestsellerlisten geschafft hat, wiederum den einen oder anderen zum eigenständigen Lesen von Goethes Werken anstiftet.
