Der konservative frühere französische Premierminister Édouard Balladur ist tot. Balladur, der von 1993 bis 1995 Premierminister in Frankreich war, starb nach Angaben seiner Familie im Alter von 97 Jahren. Präsident Emmanuel Macron würdigte Balladur auf X als einen »anspruchsvollen, besonnenen und engagierten Diener seines Landes«, dem Frankreich am Herzen gelegen habe.
Balladur begann seine politische Karriere als enger Vertrauter des späteren Präsidenten Georges Pompidou, den er als Generalsekretär in den Élysée-Palast begleitete. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand wurde Balladur Premierminister, nachdem das konservative Lager die Parlamentswahlen gewonnen hatte.
Am meisten blieb Balladur den Menschen in Frankreich im Gedächtnis, weil er 1995 in offener Konkurrenz zum konservativen Parteichef Jacques Chirac in den Präsidentschaftswahlkampf zog. Lange sah es nach einem Sieg von Balladur aus, am Ende aber zog Chirac mit Vorsprung in die zweite Runde ein und entschied die Wahl für sich gegen den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin. Diese Rivalität spaltete die Konservativen nachhaltig und bedeutete das Ende von Balladurs Karriere.
Verdacht auf Schmiergeld aus Rüstungsverträgen
Nach seinem Rückzug aus der Politik geriet Balladur in den Verdacht, seinen Präsidentschaftswahlkampf durch Schmiergelder aus Rüstungsverträgen mit Pakistan heimlich finanziert zu haben. Er wurde 2021 jedoch vom Gerichtshof der Republik freigesprochen.
»Er war ein Staatsmann mit progressivem Geist und wird für viele Männer und Frauen seines politischen Lagers ein Vorbild bleiben«, schrieb Premierminister Sébastien Lecornu auf X. Der Vorsitzende der konservativen Partei Les Républicains, Bruno Retailleau, würdigte ebefalls Balladurs Schaffen: »Er gehörte zu jenen Politikern, die viel von den Wählern hielten, weil sie eine edle Vorstellung von Frankreich haben.«
Eine Trauermesse für Balladur werde laut seiner Familie »im engsten Familienkreis« abgehalten.
