Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen eines tödlichen Ebolaausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, für die es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer einzudämmen. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC sprach zuletzt von 336 Verdachtsfällen und 88 Todesfällen – einen davon im angrenzenden Uganda.
Alle zehn Nachbarländer des Kongo seien einem hohen Risiko ausgesetzt, teilte die WHO mit. Die UN-Behörde in Genf will Nachbarländer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft mobilisieren. Es handle sich jedoch um keinen Pandemiealarm, stellte die WHO klar.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Der Virologe Florian Klein von der Kölner Uniklinik hat zur Wirkweise von Ebola-Impfstoffen geforscht. Der F.A.Z. gegenüber sagte er am Sonntag, verschiedene Umstände würden für eine „bereits fortgeschrittene Ausbruchssituation“ sprechen.
Eindämmung ohne Impfung
Dazu zählten die Infektionsmeldungen aus dem Nordosten Kongos, der Hauptstadt Kinshasa und im Nachbarland Uganda ebenso wie die große Zahl an Verdachtsfällen. Koordinierte Maßnahmen zur Infektionskontrolle seien „dringend erforderlich“. Dass für die nun grassierende Variante kein Impfstoff vorliegt, „erschwert die Situation erheblich“, so Klein. Der Virologe sagte, die zugelassenen Ebola-Impfstoffe würden einen „guten Schutz“ vor der Zaire-Variante bieten.
Im Ausbruchsfall würden diese Impfstoffe bei Personen eingesetzt, die direkten oder indirekten Kontakt zu Infizierten hatten. „Dadurch können sie geschützt und gleichzeitig weitere Übertragungen des Virus verhindert werden.“ Auch Hilfskräfte könnten so bei Zaire-Ausbrüchen besser geschützt werden. Diese Möglichkeit besteht im Fall des aktuellen Ausbruchs nicht. Dennoch sei eine Eindämmung auch ohne Impfungen möglich.
Die nun in mehr als einem Dutzend Fällen bestätigte Bundibugyo-Variante hat nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine vergleichsweise niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Beim Zaire-Stamm liege diese bei bis zu 90 Prozent.
WHO befürchtet „möglicherweise viel größeren Ausbruch“
Bislang ist von dem Ausbruch die Provinz Ituri im Nordosten Kongos am stärksten betroffen. Der ansteigende Trend von Verdachts- und Todesfällen weise aber darauf hin, „dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bislang entdeckt und berichtet“, hieß es von der WHO. Man habe es in dem besonders betroffenen Gebiet mit einer fragilen Sicherheitslage, einer humanitären Krise und starken Bevölkerungsbewegungen zu tun.
Es handle sich um ein „außergewöhnliches Ereignis“. Deshalb bestehe ein beträchtliches Risiko für eine lokale und regionale Ausbreitung des Virus. Die Provinz Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan. Ein weiteres Nachbarland, Ruanda, schloss am Sonntagmorgen seine Grenze zum Kongo.

Nach Angaben der Africa CDC werde aktuell noch untersucht, wo und wann genau der Ausbruch begonnen habe, um die Infektionskette zurückverfolgen zu können. Man vermute, dass es erste Fälle schon in der dritten Aprilwoche gegeben habe, sagte Africa-CDC-Direktor Jean Kaseya. Erst mithilfe dieser Informationen könnten Fachleute das komplette Ausmaß des aktuellen Ausbruchs einschätzen.
Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte mit, sie bereite einen Großeinsatz vor. „Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äußerst besorgniserregend“, sagte die Leiterin des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen, Trish Newport. Dazu komme die Ausbreitung über mehrere Gesundheitszonen innerhalb Kongos hinweg sowie über die Grenze nach Uganda. Die Lage sei zusätzlich dadurch erschwert, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung in der Region schwierig sei, so Newport.
Aus Sicht des Virologen Florian Klein erfordert der Ausbruch derzeit innerhalb der Gebiete der Demokratischen Republik Kongo und in den angrenzenden Ländern besondere Aufmerksamkeit. Die Umsetzung der nun von der WHO geforderten Maßnahmen sei „entscheidend für den weiteren Verlauf dieses Ausbruchs“. Dazu zählen etwa die Einrichtung nationaler Krisenstäbe, Vorkehrungen für Infektionsschutz in Gesundheitseinrichtungen und eine genaue Überwachung des Infektionsgeschehens.
Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit 1976. Zweimal hat es laut Africa CDC bisher Ausbrüche der Bundibugyo-Variante gegeben, 2007 in Uganda sowie 2012 im Kongo. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
