
An der Virenfront kehrt keine Ruhe ein. Am Wochenende hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ebola-Ausbruch in der Grenzregion der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Uganda zur gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt – das ist die zweithöchste Alarmstufe. Bislang sind mehr als 90 Menschen an der seltenen Bundibugyo-Variante des Virus gestorben, etwa 350 weitere Infizierte sind bereits bestätigt. Bei den zwei gemeldeten Todesfällen in Uganda handelt es sich um Menschen, die sich zuvor in Kongo angesteckt hatten.
Wann und wo die Epidemie begonnen hat, ist derzeit noch nicht vollständig geklärt, die epidemiologischen Untersuchungen laufen. Der erste nachgewiesene Patient war ein Krankenpfleger, der sich am 24. April mit auf Ebola hindeutenden Symptomen in einer Gesundheitseinrichtung in der Stadt Bunia meldete. Am 5. Mai wurde die WHO darüber informiert, dass in der 90 Kilometer entfernten Kleinstadt Mongbwalu vier Menschen innerhalb von vier Tagen gestorben waren.
Unsicheres und unwegsames Gebiet
Die Bundibugyo-Variante des Ebolavirus ist mit einer Sterberate von 30 bis 50 Prozent etwas weniger gefährlich als etwa die Zaire-Variante. Da sie aber auch seltener ist, gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine gezielte Therapie. Der Ausbruch lässt sich nur mit Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und schnellen Nachweistests eindämmen. All dies ist jedoch in der Bürgerkriegsregion kaum möglich: Infektionskrankheiten sind hier oft nicht das größte Problem der Menschen.
Experten schätzen die Lage auch deshalb als ernst ein. Der Ausbruch werde sich nicht so schnell eindämmen lassen. „Das ist eine Epidemie, die sich sehr schnell ausbreiten wird, umso mehr, als sie sich in einer sehr stark bevölkerten Provinz ereignet“, sagte der Virologe Jean-Jacques Muyembe. Er gehört zu den Entdeckern des Ebolavirus und leitet das kongolesische Institut, das den erneuten Ebola-Ausbruch nachgewiesen hat.
Auch aus der Vergangenheit weiß man, dass Ebola-Ausbrüche in dieser Region schwierig handhabbar sind: Das Gebiet ist unsicher und unwegsam. Und da der Ausbruch schon jetzt groß ist, wird er sich auch absehbar weiter ausbreiten. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union geht davon aus, dass sich auch Infektionen und Ansteckungen in Ländern ereignen, die im Osten an Kongo angrenzen. Somit wird ein grenzüberschreitendes Eingreifen notwendig. Vor diesem Hintergrund ist auch die hohe Warnstufe der WHO zu sehen: Sie setzt den bürokratischen Rahmen, der ein Eingreifen leichter umsetzbar macht.
Der Kontakt zwischen Menschen und Wildtieren ist eng
Dass Ebola in Kongo immer wieder Epidemien auslöst, erklären Wissenschaftler damit, dass der Erreger dort natürlicherweise im Tierreich zirkuliert. „Infektionsausbrüche wie durch Ebola profitieren erheblich von der rudimentären Gesundheitsversorgung und den prekären Lebensverhältnissen, wie sie für viele Menschen im Ostkongo leider seit Jahren Realität sind“, sagt Maximilian Gertler, der die Arbeitsgruppe Infection Prevention and Control in Health Care Settings/Epidemic Preparedness an der Berliner Charité leitet.
Der Kontakt zwischen Menschen und Wildtieren ist im Osten der DRK häufig relativ eng, Hygiene kann nicht immer beachtet werden. Deshalb ist der Übersprung des Virus hier wahrscheinlicher als in anderen Regionen. Die ökologischen Bedingungen für einen Übersprung vom Tier auf den Menschen sind vorhanden.
Hinzu kommt, dass die Infrastruktur in dieser Region relativ schlecht ist. Es gibt kaum gesundheitliche Versorgung. Wer erkrankt, hat so gut wie keine Gelegenheit, sich auf Ebola testen zu lassen, und muss auf die Pflege durch Angehörige vertrauen. Hier passieren weitere Ansteckungen, ebenso während Bestattungsritualen, bei denen die Menschen die Verstorbenen berühren. In der Grenzregion zu Uganda und Ruanda wird Gold abgebaut, immer wieder flammen bewaffnete Konflikte auf.
Wird all das dazu führen, dass Ebola auch den Rest der Welt bedroht? WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sieht diese Gefahr bislang nicht als gegeben. Auch Wissenschaftler schätzen das Risiko als sehr gering sein: Selbst wenn Ebola, wie es in der Vergangenheit vereinzelt passiert ist, von einem Reisenden beispielsweise nach Europa oder in die USA eingeschleppt würde, könnte der Patient dort schnell als solcher erkannt, isoliert und versorgt werden. Dass sich lange Infektionsketten bilden, ist sehr unwahrscheinlich.
