Es ist der 17. Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, seit das Virus in den Siebzigerjahren entdeckt wurde. Man könnte vermuten, dass ein Staat nach einer so langen Erfahrung mit einer Krankheit für weitere Ereignisse gerüstet ist. Bei früheren, regional begrenzten Ausbrüchen war das auch der Fall.
Doch dieser Ausbruch hat eine andere Dimension – und er trifft Kongo und das Nachbarland Uganda ausgerechnet in einer Phase, in der das internationale Gesundheits- und Hilfssystem ins Schlingern geraten ist: durch den Ausstieg der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die abrupte Zerschlagung der amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Im Februar gaben US-Präsident Donald Trump und sein kongolesischer Amtskollege Félix Tshisekedi zwar den Abschluss eines bilateralen Gesundheitsabkommens bekannt. Das hilft in der gegenwärtigen Lage, zumal die USA – im Interesse der eigenen Bevölkerung – relativ schnell Geld und den Bau von Behandlungszentren ankündigten. Doch die Maschinerie, die bei einer Epidemie-Bekämpfung reibungslos in Gang kommen sollte, stottert und holpert jetzt dahin.
Knapp zwei Wochen, nachdem die WHO den Ebola-Ausbruch als Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes deklarierte, haben die Einsatzkräfte größte Mühe, die rasante Verbreitung zu bremsen. „Im Moment schreitet die Epidemie schneller voran als wir“, sagte WHO-Chef Tedros Ghebreyesus in dieser Woche. Nach der jüngsten Statistik gibt es mehr als 1000 verdächtige Infektions- und mehr als 240 Todesfälle. Besonders schwierig ist die Verfolgung der Kontaktketten. Im Durchschnitt entfallen nur etwas mehr als zwei Kontakte auf einen Verdachtsfall – eine winzige Zahl, denkt man an überfüllte Sammeltaxis oder die Menschenansammlungen, wie sie bei Beerdigungen in Afrika üblich sind.
An fehlendem Geld, politischen Kurswechseln und Versäumnissen der kongolesischen Regierung, die mit der Führung des riesigen Landes überfordert ist, liegt es nicht allein. Dieser Ebola-Ausbruch ist auch besonders tückisch: Gegen die seltene Bundibugyo-Variante ist bisher kein Kraut gewachsen, es gibt weder Impfstoffe noch Medikamente. Die frühen Symptome können auch auf andere Krankheiten hindeuten, Tests lieferten zunächst negative Resultate.
Noch dazu liegt das Epizentrum weit entfernt von der Hauptstadt, in einem Bergbaugebiet mit hoher Mobilität der Bevölkerung. In den benachbarten Provinzen toben Gefechte bewaffneter Gruppen, weite Gebiete werden von Rebellen kontrolliert. Das macht die Arbeit der Helfer-Teams extrem schwierig. Es hilft auch nicht, dass einige Anwohner den Ausbruch für eine Erfindung halten, und Verwandte von Opfern auf traditionellen Bestattungen bestehen.
Aus der Ferne könnte man die Epidemie für ein isoliertes Ereignis irgendwo in Afrika halten. Aber spätestens seit Corona weiß man, dass ein Virus keine Grenzen kennt. In dieser Woche warnte die Gesundheitsagentur der Afrikanischen Union, es bestehe ein Ausbreitungsrisiko in zehn afrikanische Länder, und drängte auf die Entwicklung eines Impfstoffes. Vorerst aber hängt alles von Helfern vor Ort ab, die in einem Wettlauf mit einem unberechenbaren Virus ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.
