
So wie bisher wird es für Easyjet nicht weitergehen. Die Nummer zwei unter Europas Billigfliegern ist zum Spielball der Finanzinvestoren geworden. Gleich zwei haben Angebote für den Kauf aller Aktien vorgelegt. Der Easyjet-Führung blieb nur, ihren Widerstand gegen Übernahmeversuche einzustellen. Easyjet ist zwar profitabel, aber kleiner und margenschwächer als Marktführer Ryanair. Und beim Börsenwert hängt Easyjet weit hinter der Vor-Corona-Höhen zurück. Das hat die Investoren auf den Plan gerufen. Offen ist nur, welches Konzept sich am Ende durchsetzt. Um die Castlelake-Offerte ranken sich Spekulationen, dass Easyjet zerschlagen werde. Das provoziert Abwehrreflexe. Gegenbieter Apollo lobt geradezu demonstrativ die aktuelle Beschaffenheit der Airlines. Das klingt freundlich. Doch ein bloßes „Weiter so“ mit frischem Geld wird keine Offerte bringen.
Für Fluggesellschaften ist eine Zerschlagung von Easyjet ein schönes Szenario. Sie wären einen Wettbewerber los und könnten sich noch Teile davon aussuchen. Für den zerlegenden Finanzinvestor wäre es ein sicheres Geschäft. Schlechter sieht es für Passagiere aus: weniger Wettbewerb, höhere Preise. Das gilt erst recht, wenn Easyjets Bauaufträge für neue Flugzeuge zu außereuropäischen Gesellschaften gelangen. Rund 300 künftige Flugzeuge kämen schlimmstenfalls nicht in den Europaverkehr. Eine große Angebotsverknappung, die nicht ohne Folgen auf Ticketpreise bliebe.
Der Fall Easyjet zeigt einen neuen Flugstil in der Konsolidierung von Europas Luftfahrt. Bislang gab es Betriebseinstellungen und Übernahmen durch Wettbewerber. Nun sortieren Finanzinvestoren. Jede Gesellschaft mit viel Eigentum und niedrigem Börsenkurs kann zu ihrem Ziel werden. An Europas Finanzmärkten sind diverse Fluggesellschaften seit langem schwächer bewertet als die Summe ihrer Assets. Das gilt übrigens auch für Lufthansa.
