Was macht das Fahren mit E-Scootern riskant?
„Die vergleichsweise kleinen Räder machen das einspurige Fahrzeug recht instabil“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicher im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. E-Scooter reagieren dadurch empfindlich auf Bodenunebenheiten, Hindernisse und Schlaglöcher. Hinzu kommen ein hoher Schwerpunkt und kurze Radstände, die das Bremsen erschweren. Entscheidend hänge das Unfallrisiko aber vom Fahrverhalten ab. „Häufigste Unfallursache ist die falsche Benutzung der Fahrbahn oder der Gehwege sowie Alkohol“, so Zeidler. Teils missachteten Fahrer Ampel-Rotlicht oder nutzten die Scooter verbotenerweise mit mehreren Menschen.
Auch ein Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen spricht von einer „erschreckenden Regelunkenntnis“ mancher Nutzer, die immer wieder auf Bürgersteigen oder entgegen der Fahrtrichtung unterwegs seien und oft versuchten, sich durch kleinste Lücken im Verkehr zu quetschen. Das mache es auch Autofahrern teils „extrem schwer“, Verkehrssituationen und Gefahren einzuschätzen.
Wie häufig kommt es zu Unfällen?
Bundes- und auch hessenweit sind die Unfallzahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen – was natürlich auch daran liegt, dass mehr Scooter unterwegs sind. Die hessische Polizei hat laut Innenministerium für 2021 im Bundesland 677 E-Scooter-Verkehrsunfälle registriert. Nahezu doppelt so viele waren es mit 1.081 Unfällen im Jahr 2024. Auch die Zahl verunglückter Menschen verdoppelte sich im selben Zeitraum nahezu, von 391 im Jahr 2021 auf 716 im Jahr 2024. Für 2025 liegen noch keine Zahlen vor.
Welche Unterschiede bei privaten und Leih-Scootern gibt es?
„Wir wissen aus unseren Untersuchungen: Wer einen eigenen Scooter fährt, ist in der Regel Vielfahrer, nutzt diesen oft für den Arbeitsweg, ist routiniert im Umgang, über 30 Jahre alt, fährt auf dem Radweg oder auf der Straße und trägt häufiger einen Helm“, erklärt Zeidler. Nutzer von Leih-Scootern seien hingegen meist jünger, weniger geübt, würden meist in der Freizeit und öfter auf dem Gehweg fahren – obwohl genau das verboten sei. Auch der Anteil der Leih-Scooter am Unfallgeschehen sei überproportional hoch.
Was spricht für die Nutzung von E-Scootern?
Befürworter heben die Zeitersparnis gerade im dichten Stadtverkehr hervor und verweisen auf die geringe körperliche Anstrengung durch den Elektroantrieb, eine hohe Flexibilität sowie den Wegfall der Parkplatzsuche. Auch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sieht Vorteile: „E-Scooter haben sich in den letzten Jahren als praktische Alternative im Straßenverkehr etabliert.“ Sie würden vor allem von jungen Menschen als schnelles und flexibles Fortbewegungsmittel für kurze Strecken verwendet. „Wir wollen das E-Scooter-Fahren nicht grundsätzlich verbieten oder zurückdrängen, aber wir müssen auf die Gefahren noch konsequenter reagieren“, mahnt der Minister.
Mehr Verkehrssicherheit – wie kann das gelingen?
Die Polizei sei vor dem Hintergrund steigender Unfallzahlen für das Thema besonders sensibilisiert, erklärt Poseck. „Neben Kontrollen setzen wir verstärkt auf Präventionsmaßnahmen, insbesondere in urbanen Gebieten.“ Als Beispiele nannte Poseck Aufklärungsgespräche und Informationsstände.

Wie ist die Lage in Frankfurt?
Diverse Leih-Systeme haben Frankfurt zu einer E-Scooter-Hochburg Hessens gemacht. Die Stadt hatte die Obergrenze zugelassener Roller kürzlich auf 10.000 reduziert, außerdem sind künftig nur noch drei statt sechs Anbieter zugelassen. Mit Kontrollen geht das Straßenverkehrsamt gegen Verstöße wie das Befahren von Fußgängerzonen wie der Zeil vor, aber auch gegen Abstell-Wildwuchs. Allein im vergangenen Jahr seien rund 780 E-Scooter-Verstöße in Frankfurt dokumentiert worden, die meisten wegen unzulässigen Abstellens der E-Roller auf Gehwegen, Radwegen oder Parkplätzen.
Immer wieder sei auch festzustellen, dass die Roller zu zweit oder sogar zu dritt genutzt würden oder Fahrer gerade abends alkoholisiert mit Scootern unterwegs seien, sagte ein Polizeisprecher. Vielen sei dabei nicht bewusst, dass die gleichen Promille-Grenzen wie für Autofahrer gelten. Manche Fahrer gäben sogar an, gerade weil sie getrunken haben einen Scooter zu nutzen. Um eben nicht Auto fahren zu müssen. Zu beachten sei auch die Verletzungsgefahr, wenn es zu Unfällen kommt, so der Sprecher. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten sei bei E-Scootern im Vergleich zu allen anderen Verkehrsmitteln „sehr hoch“.
Worauf müssen Nutzer achten?
E-Scooter sind versicherungspflichtige Kraftfahrzeuge. Gehwege sind für sie tabu, die Fahrer müssen Radwege oder die Straße nutzen. Handys dürfen während der Fahrt nicht genutzt werden. Die Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt und dürfen höchstens 20 Kilometer pro Stunde schnell sein.
Von 2027 an gelten strengere Regeln
Auch weil die Zahl und Schwere von Unfällen mit E-Scootern deutlich zugenommen hat, wurde die sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung überarbeitet. Im kommenden Jahr treten deshalb einige Neuregelungen für die Nutzung der Scooter in Kraft. Dazu gehören laut ADAC unter anderem folgende Punkte:
Wo der Radverkehr freigegeben ist, dürfen automatisch auch E-Scooter fahren.
Kommunen können selbst entscheiden, ob und wo Leih-Scooter im öffentlichen Raum abgestellt werden dürfen, und dafür auch spezielle Flächen ausweisen.
Auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen, die durch Zusatzzeichen für E-Scooter freigegeben sind, ist nur Schrittgeschwindigkeit bei besonderer Rücksichtnahme erlaubt.
An einem grünen Pfeil für Radfahrer sollen E-Scooter-Fahrer künftig auch bei Rotlicht unter denselben Bedingungen wie Radfahrer abbiegen dürfen.
Neu zugelassene E-Scooter sollen von 2027 an verpflichtend mit Blinkern ausgestattet sein und brauchen eine technisch voneinander getrennte Vorder- und Rückbremse.
