
Denis Smoljaninow ist den europäischen Behörden seit Langem bekannt. Als Spezialist für „psychologische Operationen“ steht der Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU seit dem 16. Dezember 2024 auf der Sanktionsliste der EU. „Durch soziale Medien rekrutiert er Agenten für Sabotageaktivitäten in der Union und andere Aktivitäten, die Spannungen zwischen NATO-Länder schaffen sollen“, heißt es in der Sanktionsbegründung.
Offenbar hat er auch mit dem versuchten Drohnenanschlag auf dem Flughafen Leipzig/Halle Anfang August zu tun. Einer großen Katastrophe ist Deutschland damals vermutlich nur deshalb entgangen, weil die Zünder an den mit Sprengstoff beladenen Drohnen versagten, die mit vollgetankten ukrainischen Antonov-Transportflugzeugen kollidierten.
Der mutmaßliche Organisator dieser Attacke, Oleg L., über den „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), WDR und NDR Anfang September erstmals berichtet haben, steht laut Erkenntnissen des russischsprachigen Investigativmediums Dossier Center seit fast 20 Jahren in Kontakt zu Smoljaninow. Dossier Center hatte erstmals vor drei Jahren über dessen Aktivitäten berichtet. Die Rechercheplattform wird von dem im Exil lebenden früheren russischen Oligarchen Michail Chodorkowskij finanziert, der in Russland von 2003 bis 2013 aus politischen Gründen in Haft war.
Dossier Center ist nach eigenen Angaben in den Besitz von Arbeitsdokumenten Smoljaninows gelangt. In diesen Dokumenten taucht auch Oleg L. auf, den das Bundeskriminalamt laut SZ, WDR und NDR für den Logistiker des jüngsten Leipziger Anschlagsversuchs hält. Laut Dossier Center reicht die Verbindung der beiden bis in das Jahr 2007 zurück.
Verbindungen zu weiteren Anschlägen
Laut SZ, NDR und WDR war L. westlichen Geheimdiensten schon vor der Attacke am Flughafen Leipzig/Halle bekannt. Er soll Botengänge und andere geheime Aufträge für die russischen Dienste ausgeführt haben. Eine Woche vor dem Anschlagsversuch soll er Ende Juli aus Istanbul nach Berlin geflogen und dann mit einem Mietwagen nach Leipzig gefahren sein. Deutschland hat er laut diesen Berichten schon zwei Tage vor dem Anschlagsversuch wieder per Flugzeug verlassen, diesmal nach Serbien, wo er seit 2022 ein Unternehmen haben soll.
Gesteuert hat die Drohnen demnach Andrej K., der sowohl über einen belarussischen als auch einen russischen Pass verfügt. Auf seine Spur sind die Ermittler gekommen, weil er am Tatort eine DNA-Spur hinterlassen hat und wegen Gesetzesverstößen schon in Datenbanken in Litauen und Finnland geführt wurde.
Ihn bringen polnische Ermittler auch mit dem Brandanschlag auf den Baumarkt Leroy Merlin in Łódź im Juli 2024 in Verbindung. Ein Ukrainer, der mutmaßlich an diesem Anschlag mitgewirkt hat, steht derzeit in Warschau vor Gericht. Er ist angeklagt, auch an den Anschlägen mit Brandsätzen in Paketen beteiligt gewesen zu sein, die ebenfalls im Juli 2024 zu Bränden auf dem Flughafen Leipzig/Halle, in Warschau und Birmingham geführt haben.
Auch bei diesen Attacken soll Smoljaninow im Hintergrund die Fäden gezogen haben, berichten SZ, NDR und WDR. Seine Aktivitäten in der EU reichen nach den Erkenntnissen von Dossier Center jedoch weiter zurück – und umfassen auch ein breiteres Spektrum. So tauchten unmittelbar nach dem schweren Erdbeben in der Türkei Anfang 2023 mit Zehntausenden Toten in Frankreich Transparente mit ukrainischer Flagge auf, auf denen die Naturkatastrophe als „Strafe Gottes“ dafür bezeichnet, wurde, dass die Türkei weiterhin russische Touristen ins Land lässt. Auch Hunderte antisemitische Graffiti in Paris nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 waren offenbar eine von Smoljaninow aus Russland geleitete GRU-Aktion.
