
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat etwas angekündigt. Wieder einmal. Bei einem Truppenbesuch in Bergen teilte der Minister mit, das Heer solle für den Kampf mit unbemannten Systemen ein eigenes Regiment aufstellen. Der Verband soll über Reichweiten bis 500 Kilometer mit Drohnen und anderen unbemannten Systemen kämpfen können.
Das wäre ein Systemwechsel, denn von Luftwaffe, Artillerie oder Kampfpanzern ist nicht die Rede, sondern von einer beweglichen Einheit, die vom Boden aus in den Luftraum vordringt, aber auch Kampfroboter einsetzen soll, um den modernen Landkrieg zu führen. So wie er sich in der Ukraine tagtäglich abspielt.
Zwar wird Generalinspekteur Carsten Breuer nicht müde, zu versichern, die klassischen Heeresverbände hätten keineswegs ausgedient, es komme auf den Daten- und Wirkverbund von Leopard und Drohne an. Gleichwohl trifft der Minister nun eine Entscheidung, die richtungweisend sein könnte. „Wer sich zu Land durchsetzen will, der muss eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen“, sagte Pistorius. Er betonte auch, dass es darum gehe, „das Tempo aufzunehmen“.
Das deutsche Heer kann nicht Schritt halten
An Letzterem mangelt es nach wie vor, trotz veränderter Bestellwege und einer verbesserten Kooperation zwischen Industrie und Truppe. Das Ziel, die Bedürfnisse der Soldaten in den Vordergrund zu stellen, treibt in der Ukraine seit bald einem halben Kriegsjahrzehnt die Innovationen und sichert bislang die Überlebensfähigkeit der Verteidiger.
Dem deutschen Heer, bereit zur Veränderung, ist es bisher weder technologisch noch organisatorisch gelungen, mit dem Tempo Schritt zu halten, das allein das Überleben an der Front sichert. Kaum ein hoher Offizier hat das gründlicher studiert als der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, der zuvor die militärische Ukrainehilfe koordiniert hatte. Seine Idee war es zunächst, aus jedem Kampfbataillon des Heeres jeweils eine Kompanie herauszubilden, die den komplexeren Drohnenkampf beherrscht. Und der ist weit mehr als das, was jeder Infanterist der Zukunft können muss, nämlich bewaffnete und unbewaffnete Drohnen sowohl zu lenken als auch abzuwehren.
Das Ministerium wächst immer weiter
Doch es erweist sich, dass damit die einzelnen Bataillone vor strukturelle Schwierigkeiten gestellt würden, die sie wohl nicht überzeugend lösen können. Daher der Entschluss, zumindest zusätzlich eine neue Struktur aufzubauen. Es kann von Vorteil sein, wenn Expertise und Innovation in einem Verband gebündelt werden. Zudem könnten, wie in der Ukraine üblich, in einem solchen Neuverband militärisches und ziviles Personal enger kooperieren als im gewohnten Rahmen. Man muss nämlich weder von der Luftwaffe sein noch ewig eine Artillerieschule besucht haben, um einen breit angelegten Drohnenschlag zu führen.
Risiken und Nebenwirkungen gibt es aber auch: Pistorius hat sich inzwischen einen Ruf als großer Ankündiger erworben, der ganze Divisionen und Teilstreitkräfte auf geduldigen Papieren entstehen lässt, Reformen im Matrix-Format anordnet, die nicht das bringen, was sie sollen und müssten. Nicht zuletzt wächst und verdickt sich sein opulentes Ministerium dabei immer weiter, entgegen allen Versprechen. Außerdem kann es sein, dass ein einzelnes Regiment nicht wirklich Teil des Heeres im Ganzen wird.
Doch ohne Mut zu etwas Neuem und den Optimismus, etwas erfolgreich ändern zu können, stünde die Bundeswehr heute noch schlechter da. Auch wenn nicht alles was wird, bleibt Pistorius in puncto Tatendrang und Willen zur Veränderung tonangebend. Das kann, das muss und das wird sich mittelfristig auf die Streitkräfte auswirken.
