
Es war der größte Darknet-Drogen-Marktplatz der Welt: Tonnenweise illegale Substanzen, mehr als 600.000 Nutzer, zwei Millionen Bestellungen und 330 Millionen Euro Umsatz. Unter dem Namen „Archetyp Market“ hatte ein Deutscher die Plattform im Jahr 2020 geschaffen, sie zunächst von Niedersachsen aus betrieben, später dann aus Spanien. Doch im Juni 2025 war Schluss, als Ermittler den Betreiber in Barcelona fassten. Rund eine Woche später wurde er nach Deutschland ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Seit Montag muss sich der Mann nun vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Auf der Plattform war der 31 Jahre alte Betriebswirt aus dem Kreis Minden in Nordrhein-Westfalen vor allem unter dem Nutzernamen „ASNT“ bekannt. Die Abkürzung stand für „Apfelsaft naturtrüb“. Er sagte, er habe sich diesen Namen ausgesucht, weil er das Getränk damals getrunken habe. Die bei der Generalstaatsanwaltschaft ansässige Zentralstelle für Internetkriminalität wirft ihm unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln und Cannabis in nicht geringen Mengen sowie Arzneimitteln und neuen psychoaktiven Stoffen vor. Außerdem wird ihm vorgeworfen, seit Juni 2022 mit mindestens zwei weiteren Nutzern gemeinschaftlich bandenmäßig gehandelt zu haben.
Der Angeklagte gestand die Tat am ersten Prozesstag vollumfänglich. „Ich bereue meine Taten zutiefst“, sagte er. Laut Anklage hat er 20 Millionen Euro eingenommen. Um das Geld sei es ihm aber nie gegangen, sagte er. Vielmehr habe er die Plattform aufgrund seiner „liberalen Überzeugungen“ zum Drogenkonsum erstellt. Er habe damit zu einer „gesunden Drogenszene“ beitragen wollen. Er selbst habe mit 17 Jahren zum ersten Mal illegale Drogen konsumiert. Die Entscheidung, „Archetyp Market“ zu gründen, habe er im Sommer 2019 nach einem LSD-Trip getroffen.
Ein Fehler überführte ihn
Heute sieht er das anders: In der Untersuchungshaft sei er zum ersten Mal mit Drogenkranken in Kontakt gekommen und habe verstanden, welcher Teufelskreis dahinterstecke. „Ich habe Geld am Leid anderer verdient, und das im Schutz der Anonymität.“ Nun sei ihm bewusst, dass er sich vieles schöngeredet habe.
Auch seine private Situation habe damals in die Entscheidung, die Handelsplattform zu gründen, hineingespielt. Er sei unzufrieden mit seinem Leben gewesen, habe Depressionen entwickelt. Als die Plattform im Jahr 2021 profitabel wurde, habe dies sein Selbstwertgefühl gesteigert.
Doch es sei ihm irgendwann zu viel geworden, die Taten ständig vor Familie und Freunden geheim zu halten. „Es klingt komisch, aber die Festnahme gab mir ein Gefühl von Entlastung und Ruhe“, sagte der Angeklagte. Er habe zuvor schon darüber nachgedacht, die Plattform abzustellen. Erst kurz vor der Verhaftung habe er auch die Neuregistrierung für User deaktiviert. Aufgeflogen ist er, weil er einen Fehler beim Zugriff auf die Plattform gemacht hatte, der es den Ermittlern ermöglichte, die Spur bis zu seinem Apartment in Barcelona zurückzuverfolgen.
Der Angeklagte hob hervor: „Ich selbst verkaufte niemals Drogen.“ Die Plattform habe folgendermaßen funktioniert: Die Besteller registrierten sich und zahlten ihr Guthaben in eine Wallet ein. Daraufhin suchten sie sich Waren aus und gaben eine Lieferadresse ein. Die Bestellung sei dann von den Verkäufern akzeptiert und die Ware verschickt worden. Die Bezahlung erfolgte der Anklage zufolge in der Kryptowährung Monero. Diese gilt als nicht rückverfolgbar. Zeitweise waren rund zehn Moderatoren mit der Pflege des Marktplatzes beschäftigt. Gegen sie sowie gegen die Verkäufer wird ebenfalls ermittelt.
