
Der Satz ist unmissverständlich. Und wäre das Schild anderswo untergebracht, sagen wir, in einem Kulturzentrum – es hätte sicher Diskussionen gegeben. Über Geschlechtergerechtigkeit, Diskriminierung, Vorurteile, Adultismus. Aber so hängt das Schild in vier quietschbunten Ausfertigungen am Stand für Dosenwerfen, der gerade Station auf der Frankfurter Dippemess’ gemacht hat, bevor er zur nächsten Kirmes weiterzieht. „Frauen oder Kinder bekommen mit 2 Spielen immer 1 Trostpreis, 1 Großen Ball oder 1 schönes Plüschtier!“
Spricht daraus Verachtung für Frauen und Kinder? Man trifft auf sie schließlich allenthalben. Und in jüngster Zeit hat der Druck auf Frauen und Kinder international allemal zugenommen. Auf der Kirmes aber, wo die Kinder mit Zuckerwatte und Schokobananen gefüttert und den Frauen riesige Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Schätzchen“ umgehängt werden, scheint der Verdacht nun wirklich unbegründet. Auf den ersten Blick scheinen an diesem letzten Tag der Messe überdies deutlich mehr Frauen, Mädchen und Kinder zwischen Fahrgeschäften und Losbuden unterwegs zu sein als männlich gelesene Personen.
Am Geschäftssinn der Schausteller wiederum ist nicht zu zweifeln. Insofern müssen es die betriebswirtschaftlichen Erfahrungswerte sein, die die Betreiberin oder den Betreiber des Dosenwurfstandes zu einem solchen Angebot motiviert haben. Und praktische Psychologie. Denn das Schild weckt, gestehen wir es rundheraus, unseren Ehrgeiz. Auch wenn die Erinnerungen an die Disziplin Schlagballwurf bei den Bundesjugendspielen mehr als düster sind: Die Tatsache, dass damals alle Klassenkameradinnen eher kümmerliche Würfe zustande gebracht haben, muss uns viele Jahrzehnte später nicht vom lässigen Erwerb eines Plüschsauriers mit nur drei Würfen abhalten!
Um es kurz zu machen: Nach dem Einsatz von lediglich 15 Euro zur Widerlegung des eigenen weiblichen Wurfversagens sind wir mit einem sehr großen Plüsch-Yak von dannen gezogen. Größer als das Yak, das es als Trostpreis gegeben hätte. Etwas größer. Der Triumph fühlte sich schal an. Erst recht, weil am nächsten Tag der Quartiers-Flohmarkt stattfand. Was bieten die Kinder dort an? Plüschtiere.
