
In Bayern spielt die Musik. Auf dem Oktoberfest, und wenn es um Olympische Spiele geht, demnächst in München, dem deutschen Kandidaten für die Bewerbung um Sommerspiele und Paralympics. Am Freitag und Samstag schlagen Sportpolitiker den Takt in Oberhaching. Dort soll es um die zukünftige Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gehen. Harmonisch, wie jene, die hinter der Strategie stecken, hoffen.
Der Schritt zu einem Führungswechsel war schon angebahnt worden, bevor Thomas Weikert in der F.A.Z. ausführlich erklärte, warum er bei der Mitgliederversammlung des Dachverbandes im Dezember in Frankfurt nach fünf Jahren an der Spitze nicht mehr kandidieren will.
Michael Mronz im Mittelpunkt
Schon einen Tag nach der Rückzugsankündigung des Rechtsanwaltes verhandelt der organisierte Sport dessen Nachfolge. Den Landssportbünden (LSB) und den Spitzenverbänden des DOSB wird jeweils das Ergebnis einer ausgeglichenen, auch mit hauptamtlichen Sportfunktionären besetzten Findungskommission unter Leitung von Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, vorgestellt. Im Mittelpunkt des Resultats: Michael Mronz, qua Amt als IOC-Mitglied Teil des DOSB-Präsidiums. Der 59 Jahre alte Kölner soll zum Präsidenten gewählt werden.
Mronz wollte sich schon am vergangenen Wochenende nach der Wahl von München nicht gegenüber der F.A.Z. zu der avisierten neuen Rollenverteilung äußern. Wie es heißt, will er sich in Oberhaching vorstellen.
Dass auch die Namen eines Schattenkabinetts seit geraumer Zeit kursieren, verstärkt den Eindruck einer konzertierten Aktion. Der Umbruch wird größer sein, falls es gelingt, die LSB und Fachverbände am Freitag und eine Woche später die Verbände mit besonderen Aufgaben zu überzeugen. An ihm lässt sich der Versuch ablesen, die Kräfte im DOSB so an der „Regierung“ zu beteiligen, dass sich keine lähmende Opposition der Ausgeschlossenen bildet. Allerdings stellt sich die Frage, ob ein Präsidentenkandidat Mronz nicht lieber mit einem selbst gewählten Team in die Wahl Anfang Dezember in Frankfurt ziehen will. Oder ist die Auswahl der Mannschaft bereits abgestimmt?
Am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit wird es vermutlich nicht zur großen Einigung kommen. Ein Wintersport-Funktionär bestätigte der F.A.Z. zumindest, dass die Winter-Gruppe Widerstand leisten wolle, weil sie ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt sieht. Weder im Präsidium noch in der Spitzensportagentur, die nach der Verabschiedung des Sportfördergesetzes gegründet werden soll. Zudem soll DOSB-Vizepräsident Prof. Martin Engelhardt, Präsident der Triathlon-Union, Interesse am Job des Präsidenten geäußert haben. Er soll, so der Plan der Findungsexperten, Vizepräsident bleiben.
Sicher ist nur, dass bis zum Ende der Nominierungsfrist (30. Oktober) noch ausreichend Bewegungsspielraum bleibt. Und dass Geld keine Rolle spielen wird. Obwohl Weikert letztlich eine Vergütung von 2000 Euro (brutto) für das Präsidentenamt vom 1. Januar 2027 an auf den Weg gebracht hat, die Höhe aber angesichts des Aufwandes als „völlig ungenügend“ bewertet. Chefs von nicht einmal besonders betuchten internationalen Fachverbänden erhalten schon mal 100.000 Euro pro Jahr, netto. Mronz wäre nicht darauf angewiesen.
