
Ungarn will mit Baumaßnahmen in der Donau den Wasserstand des Flusses anheben, um die Kühlung des Atomkraftwerks Paks zu sichern. Das kündigte Ministerpräsident Péter Magyar an. Wegen der andauernden Hitzewelle und Dürre in weiten Teilen Europas ist der Pegel der Donau auf historische Tiefstände gefallen. Im einzigen ungarischen Kernkraftwerk laufen derzeit nur zwei von acht Turbinen. Paks ist ein wichtiger Pfeiler der Stromversorgung des kleinen mitteleuropäischen Landes.
Magyar begründete den Schritt mit der Notwendigkeit einer schnellen Lösung. Das fortgesetzte Niedrigwasser belaste die Wirtschaft enorm, schrieb er auf Facebook. Geplant ist der Bau einer Sohlschwelle, mit der das Wasser aufgestaut werden soll. Die Arbeiten sollen unter Einsatz des Militärs sofort beginnen und rund um die Uhr laufen. Für das Bauwerk werden nach Regierungsangaben etwa 150.000 Kubikmeter Geröll benötigt. Die Kosten werden auf umgerechnet gut 16 Millionen Euro veranschlagt.
Hitze legt Schwachstellen frei
Die Sohlschwelle könnte den Wasserstand um bis zu einen Meter erhöhen. Damit soll der volle Betrieb des Kraftwerks innerhalb weniger Wochen wieder möglich werden. Als Übergangslösung bereitet Ungarn zudem vor, zwei jeweils 80 Meter lange Lastkähne zu versenken. Dies könnte den Pegel vorübergehend um rund 20 Zentimeter anheben.
Energie- und Wirtschaftsminister István Kapitány stellte das Vorhaben auch in einen größeren Zusammenhang. Kapitány verwies auf fehlende Energiespeicher und die Notwendigkeit, die Energiequellen zu streuen. Der Anteil erneuerbarer Energien am ungarischen Erzeugungsmix liegt mit rund einem Drittel unter dem Durchschnitt der Europäischen Union.
Die Sommerdürre belastet in mehreren Ländern Europas nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch die Schifffahrt und Gesundheitssysteme. Im benachbarten Rumänien wurde am Donnerstag der letzte noch laufende Atomreaktor abgeschaltet. Dort sinken die Pegel der Donau weiter, obwohl versucht wird, Kühlwasser umzuleiten. Das rumänische Kernkraftwerk liegt im Osten des Landes und deckt normalerweise rund ein Fünftel des nationalen Strombedarfs.
