Berichten Medien während eines Politikerbesuchs über die Anzahl reservierter Hotelzimmer, weiß man: Ein wichtiger Besuch – über den man am Ende aber kaum mehr wissen wird als das, was offizielle Stellen nach draußen geben. Während am Mittwoch in Rom also darauf gewartet wird, dass es Neuigkeiten über das Treffen zwischen Marco Rubio und Papst Leo XIV. gibt, werden 33 vom US-Außenministerium reservierte Zimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel gezählt. Und Bilder von Rubios Ankunft – gemeinsam mit seiner Ehefrau Jeanette Rubio, traditionell in Schwarz und mit Schleier – gezeigt. Rubio ist überzeugter Katholik, da stimmt die Etikette. An Ostern teilte er auf seinem privaten X-Account – Profilbeschreibung: Christ, Ehemann, Vater, Amerikaner, US-Außenminister – ein von ihm eingesprochenes, gospelartiges Video über die Auferstehung Jesu, das er zuvor auch auf seinem offiziellen Außenminister-Account gepostet hatte.
Das Treffen zwischen Trumps Außenminister Rubio und Papst Leo im Apostolischen Palast ist aufgeladen, italienische Medien begleiten es mit Liveblogs. Die Spannung liegt an einer Entschlossenheit, die sowohl der US-Präsident als auch der Papst in den vergangenen Wochen gezeigt haben. Trump einerseits sucht schon immer in jeder Krise konsequent die nächste. Während ihm der Irankrieg, den der Präsident maximal als
»Minikrieg« bezeichnen möchte, strategisch immer mehr entglitt, suchte
er sich mit dem Papst ein neues rhetorisches Angriffsziel. Er
warf ihm vor, »zu nachsichtig gegenüber Kriminalität« und »katastrophal
in der Außenpolitik« zu sein und behauptete, er sei nur deshalb zum
Papst gewählt worden, weil Trump selbst im Weißen Haus sitze.
Leo wiederum hielt während dieser Angriffe durch Trump konsequent an seiner Friedensbotschaft fest. Was im päpstlichen Sinne nur folgerichtig ist – Trump aber, der nie vor Kritik zurückweicht, noch mehr provozieren dürfte (allein ein KI-generiertes Bild von sich als Jesus löschte Trump Mitte April).
Eine Reise zur Schadensbegrenzung?
Dass Rubios Reise nun den Zweck habe, die Spannungen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem amerikanischen Papst zu glätten, dementierte Rubio am Dienstag, noch bevor er nach Italien aufbrach. »Es ist eine Reise, die wir schon vorher geplant hatten, und natürlich sind inzwischen einige Dinge passiert«, sagte er während eines Pressebriefings, das er in Vertretung von Trumps Sprecherin Karoline Leavitt leitete.
Da hatte Trump allerdings schon wieder dafür gesorgt, die Beziehungen zwischen den USA und dem Vatikan zu strapazieren. Am Montag erneuerte der Präsident in einem Radiointerview mit Hugh Hewitt seine Kritik an Papst Leo. Er warf ihm vor, Katholiken und viele Menschen »in Gefahr zu bringen« und bezog das auf die ablehnende Haltung des Papstes zum Irankrieg. »Aber ich schätze, das ist Sache des Papstes. Er findet es völlig in Ordnung, dass der Iran Atomwaffen besitzt«, sagte Trump.
Der Papst reagierte auch auf diese erneute Kritik aus den USA. Weder er selbst noch die katholische Kirche befürworteten Atomwaffen, sagte Papst Leo daraufhin am Mittwoch: »Die Aufgabe der Kirche besteht darin, das Evangelium zu verkünden und den Frieden zu predigen.« Wenn ihn jemand dafür kritisieren wolle, dass er das Evangelium verkünde, solle er dies aufrichtig tun.
Der Vatikan wiederum widersprach Rubio, der das Treffen mit dem Papst kleinreden wollte:
»Dieser Besuch entstand aus einer Krise heraus und soll deren Folgen
bewältigen«, sagte der hochrangige Vatikanbeamte und Jesuitenpriester
Antonio Spadaro gegenüber Politico. Laut Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär des Vatikans, habe zudem die US-Regierung das Treffen initiiert. Es ist das erste zwischen dem Papst und einem Mitglied der Trump-Regierung seit fast einem Jahr.
45 Minuten Audienz
Themen gibt es also genug, 30 Minuten werden dafür kaum ausreichen, dann ist der Papst auch noch zu spät, wofür er sich beim Außenminister entschuldigt. Eigentlich lässt normalerweise die US-Regierung auf sich warten, aber im Vatikan ist die Rangordnung klar. Bevor Rubio dem Papst gegenüber Platz nimmt, überreicht er Leo ein Geschenk. Anders als bei Trumps Audienzen im Oval Office bleiben die Reporter beim Gespräch zwischen Leo und Rubio draußen. Am Ende sprechen sie 45 Minuten miteinander.
