
Sinnt Trump auf Rache gegen seinen ehemaligen Haussender Fox News, nachdem dieser die dem US-Präsidenten ergebene Reporterin Maria Bartiromo entlassen hat? Bartiromo hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend bei Trump angebiedert. Gekündigt wurde sie angeblich, weil sie Trumps Regierung die Information gesteckt haben soll, Fox News habe seine Berichterstatter angewiesen, anlässlich einer Wahlkampfrede die Lüge vom Wahlbetrug nicht abermals zu transportieren. Trump scheint sich für den Zwangsabgang der Vertrauten rächen zu wollen und bedient sich dafür eines Hebels, den er schon mehrfach gegen missliebige Medien gezogen hat.
Die Ankündigung des Justizministeriums jedenfalls, sich intensiv mit der geplanten Fusion der Fox Corporation, Muttergesellschaft von Fox News, mit dem Streaminganbieter Roku zu beschäftigen, ist augenfällig. Der Chefredakteur der Tech- und Business-Website „Semafor“, Ben Smith, schreibt auf X: „Wenige Tage nach dem Bartiromo-Rauswurf nimmt die Regierung eine wichtige Fox-Fusion ins Visier.“ Der „Hollywood Reporter“ spricht angesichts der sogenannten „zweiten Anfrage“ aus dem Justizministerium, mit der sich die Kartellwächter üblicherweise nach Details einer geplanten Fusion erkundigen, vom „politischen Elefanten im Raum“, der „schwer zu ignorieren“ sei. Der Tech-Analytiker Rob Enderle sagte der „L.A. Times“: „Der Präsident hat bisher kein Hehl daraus gemacht, dass er Vergeltungsmaßnahmen gegen Medien ergreifen wird, die Dinge sagen oder tun, die ihm nicht passen.“
Trumps Gefolgschaft war mal wieder auf der Zinne
Erst kürzlich hatte Trump gefordert, die NBC-Journalistin Kristen Welker müsse „bestraft“ werden. Sie hatte – ganz korrekt – den Eindruck geschildert, wie sich Trumps Ansehen auf das Ergebnis der Republikaner bei den bevorstehenden Zwischenwahlen zum Kongress auswirken könnte. Die Erwartungen seien „gemischt“, sagte sie. Auf Bartiromos Abgang hatte Trump mit den Worten reagiert, ihre „zahlreichen“ Fans seien darüber „nicht happy“. Bartiromo sei „absolut professionell, eine echte Kämpferin“. Trumps Gefolgschaft erboste sich, man habe ihr einen Maulkorb verpassen wollen. Stimmen aus dem Maga-Lager forderten, Fox müsse sie zurückholen.
Lange galt der Sender Fox News, der zum Medienimperium Rupert Murdochs gehört und nach einer dramatischen Nachfolgeschlacht zwischen Murdoch und seinen vier ältesten Kindern nun Murdochs Sohn Lachlan untersteht, als Steigbügelhalter und Stichwortgeber Donald Trumps. In den vergangenen Monaten allerdings ist dort vermehrt Kritik an Trump laut geworden, am Irankrieg und an den teuren Bauprojekten des Präsidenten wie dem 600-Millionen-Dollar-Ballsaal am Weißen Haus.
Und dann gab Fox News die erwähnte Devise aus, Trumps Lügen von der gestohlenen Wahl 2020 keinen Raum mehr zu geben. Das geschieht wohl nicht zuletzt, weil man sich mit der Weiterverbreitung von Verschwörungstheorien 2021 die Finger verbrannt hatte. Besonders Bartiromos Sendung wurde damals zur Arena von Trump-Höflingen, die ihre kuriosen Thesen, darunter die von manipulierten Wahlmaschinen, in die Welt posaunen durften.
Zwei Wahlmaschinenhersteller, Dominion und Smartmatic, klagten wegen Rufschädigung. Im Rahmen der Dominion-Klage, die für rund 787 Millionen Dollar beigelegt wurde, kamen überaus peinliche Interna von Fox News an die Öffentlichkeit, darunter die Erkenntnis, dass die Journalisten und die Geschäftsführung Trumps Einlassungen für idiotisch und wahrheitswidrig hielten und sie dennoch sendeten. Die Smartmatic-Klage ist weiter anhängig, und bei Fox News wird man vorsichtig. Als Bartiromo kürzlich den Wahlleugner und Trump-Berater Peter Navarro einladen wollte, erhielt sie per SMS eine Mahnung ihres Chefs in Sachen „Wahlbetrug“, welche sie prompt ans Weiße Haus durchstach.
Für Fox steht mit dem Aufkauf von Roku in Aussicht, 100 Millionen Streamingabonnenten zu erreichen und zum drittgrößten Anbieter von Fernseh- und Streaminginhalten in den USA zu werden. Der Vorstandsvorsitzende der Fox Corporation, John Nallen, sah sich angesichts der kürzlichen Schlagzeilen gehalten, zu bekräftigen, dass der für 2027 geplante Zusammenschluss voranschreite und die Anfrage des Justizministeriums „voll und ganz erwartet“ worden sei.
