Die Flaggen der beiden mächtigsten Nationen der Welt wehen mitten in Peking einträchtig nebeneinander. Die beiden mächtigsten Männer der Welt schreiten ähnlich einträchtig nebeneinander über den Platz des himmlischen Friedens in die Große Halle des Volkes. Jubelnde Kinder und eine Ehrengarde säumen den roten Teppich. Eine Umarmung, wie viele im Vorfeld spekulierten, gibt es zwar nicht, aber doch immer wieder Körperberührungen. Jeder Schritt und jede Zuckung im Gesicht werden von der Weltöffentlichkeit analysiert.
US-Präsident Donald Trump ist das erste Mal seit knapp einem Jahrzehnt in Peking und hat damit eine historisch lange Phase beendet, in der kein amerikanischer Präsident chinesischen Boden betreten hat. Chinas Präsident Xi Jinping empfing ihn mit allen gebührenden Ehren, zunächst in der Großen Halle des Volkes. Das Treffen dort dauerte genau zwei Stunden und 15 Minuten, bevor es weiterging es zum Himmelstempel, wo sich die Kaiser einst das Mandat der göttlichen Mächte sicherten und um gute Ernte baten. Xi führt Trump damit die lange Geschichte Chinas vor Augen; der Himmelstempel wurde Anfang des 15. Jahrhunderts gebaut, einige Jahrhunderte vor der Gründung der USA. Der Besuch drückt aber auch aus: Im Himmel ist Platz für beide Länder.

„Wir sollten Partner und nicht Rivalen sein“, sagte Xi in seinen Eröffnungsworten. „Wir sollten uns gegenseitig zum Erfolg verhelfen und gemeinsam prosperieren und den richtigen Weg finden, wie Großmächte in der neuen Ära gut miteinander auskommen können.“ Gleichzeitig mahnte er: Gehe man falsch vor, drohe „beiden Nationen eine Kollision oder gar ein Konflikt, der die gesamten Beziehungen zwischen China und den USA in eine äußerst gefährliche Lage bringen würde“, sagte Xi laut einer Mitteilung der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua.

Trump schlug ähnlich versöhnliche Worte an. Er nannte Xi einen „großen Führer“. Es sei eine „Ehre, sein Freund zu sein“. Es gebe Schwierigkeiten, aber er hoffe auf eine „fantastische Zukunft“ für beide Länder. „Die Beziehung zwischen China und den USA wird besser sein als jemals zuvor.“
Wie fragil die Beziehung ist, zeigte im vergangenen Jahr der Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, als die gegenseitigen Importzölle mehr als 100 Prozent erreichten. Im Irankrieg wird zudem deutlich, wie verletzlich die Weltwirtschaft ist und welche unmittelbaren Folgen Konflikte militärischer und ökonomischer Natur für Menschen überall auf der Welt haben können.

Die Themenliste, die die Staatschefs zu besprechen haben, ist entsprechend lang. Xi nannte als „wichtigste Frage“ die Lage um Taiwan, das Peking als Teil seines Territoriums versteht. Die Insel selbst ist aber demokratisch regiert und versteht sich als eigenständiges Land. Er wiederholte damit ein Muster aus vergangenen Besuchen durch Staats- und Regierungschefs anderer Länder, darunter die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in den vergangenen Monaten. Xi sprach Taiwan immer wieder selbst an und wollte damit die Position anderer Länder ausloten. Gegenüber Trump will er vor allem darauf hinwirken, die Waffenverkäufe der USA an Taiwan zu reduzieren.
Weit oben auf der Agenda steht auch die Lage in der Straße von Hormus. China ist der wichtigste Partner Irans, Irans Außenminister war in der vergangenen Woche in Peking. Vertreter der US-Regierung betonten zuletzt immer wieder, dass sie sich ein stärkeres Bemühen Pekings um ein Ende des Krieges und eine Öffnung der Meerenge wünschten.

Trump hat zudem rund ein Dutzend Geschäftsleute im Schlepptau, darunter neben Unternehmer Elon Musk und dem scheidenden Apple-Chef Tim Cook auch kurzfristig den Vorstandsvorsitzenden des Chiphersteller Nvidia Jensen Huang.
Trump sagte im Vorfeld, er wolle China für US-Unternehmen „öffnen“. Xi traf die Wirtschaftsvertreter am Rande des Gipfels, schrieb Xinhua. Am Mittwoch hatten sich US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng in Südkorea getroffen. Diese hätten „balancierte und positive Ergebnisse“ produziert, sagte Xi laut Xinhua. „Das sind gute Nachrichten für die Bevölkerung beider Länder und der Welt.“ Es gebe keine Sieger in einem Handelskrieg.
Als mögliche Felder, in denen es zu einer Einigung kommen könnte, gelten die Landwirtschaft, die Luftfahrt und die Energie. Boeing-Chef Kelly Ortberg ist Teil der Delegation und hofft auf neue Flugzeugkäufe der Chinesen. China könnte, auch als Reaktion auf den Irankrieg, die Käufe amerikanischen Flüssiggases ausweiten.
In der Landwirtschaft kam es zu ersten Vereinbarungen. So gab China grünes Licht für den einige hundert amerikanische Schlachthäuser, wieder Rindfleisch nach China zu exportieren. Diese Lizenzen waren vergangenes Jahr ausgelaufen. Ob die Anwesenheit des Nvidia-Chefs Jensen Huang auf einen Durchbruch im Konflikt um Halbleiter hindeutet, ist indes noch offen.
