Es musste weichen: der deutsche Bundespräsident a.D. Joachim Gauck mit dem Thema Deutschlands Rolle in der Welt und die Herausforderungen der Demokratie. Stattdessen übernahm der amerikanische Präsident Donald Trump mit dem Thema Spaniens Rolle in der Welt und er selbst, Trump, als Herausforderung der Demokratie. Der Austausch der Präsidenten geschah bei Lanz sozusagen in letzter Minute. Es firmiert als aktueller, jetziger, wenn Trump beim Nato-Gipfel in Ankara seine neuen alten Ausfälle gegen Spanien zum Besten gibt, als wenn Gauck grundsätzliche Überlegungen zur Demokratiegefährdung anstellt. Das Aufreger-Potential einer von Studiogästen hin und her gewendeten 08-15-Exaltation des Demokratiegefährders Trump genügt als fälliger Zeitbezug vollkommen, um Gauck in die Warteschleife zu schicken. So geht Öffentlichkeit, die sich auf ihren unmittelbar messbaren Eingriffs-Charakter etwas einbilden möchte.
Geboten wurde also Trump in Rollenprosa, wie er ohne Punkt und Komma auf der Vorderbühne in Ankara über Spanien herzog (auf der Hinterbühne ging es weit verträglicher zu), quasi mit der Türe ins Haus fallend, derweil Nato-Generalsekretär Mark Rutte dessen monologischer Tirade mit wohlwollend-neutraler Miene beiwohnte. Die Journalistin Annett Meiritz meinte dazu später bei Lanz, sie respektiere Ruttes Trump-Versteher-Strategie durch dick und dünn, er habe immerhin eine Strategie, um Schlimmeres zu verhüten und Besseres für die Nato herausspringen zu lassen. Darauf hinzuweisen schien der Lage jedenfalls angemessener als immer wieder auf dem Thema Selbstachtung herumzureiten, wie es Markus Lanz tat, als habe Selbstachtung nicht viele Gesichter, jedenfalls nicht nur das eine, welches allen und jedem gegenüber ständig reinen Wein einzuschenken möchte.
Spanien ein hoffnungsloser Fall?
Trump also tat im Einspielfilm aus Ankara bei Lanz des langen und breiten, unbehelligt von Rutte und anderen anwesenden Nato-Größen, nebst abermalig mitgeteiltem Besitzanspruch Grönlands die folgende aktuelle Äußerung: „Spanien ist ein hoffnungsloser Fall. Wir wollen keine Geschäfte mehr mit Spanien machen. Der Handel mit Spanien sollte eingestellt werden. Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie beteiligen sich nicht. Sie zahlen nicht. Ich will nichts mehr mit Spanien zu tun haben. Stellt jeglichen Handel mit Spanien ein und auch Besuche!“ Die einordnenden Bemühungen von Frau Meiritz und dem zugeschalteten Sicherheitsexperten Nico Lange stellten später einen aktuellen Sinnbezug der sprachlichen Versatzstücke her, insofern Spanien mit der Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts nichts am Hut habe sowie auf seinem Territorium den US-Militärflugzeugen das Leben schwer mache. Na ja, so was in der Richtung dachte man sich schon.
Trump indessen fuhr bei Lanz mit Blick auf den im stand-by-Modus verharrenden Rutte fort: „Sie behandeln diesen Mann (also Rutte, d. Red.) schrecklich. Und dieser Mann ist ein großartiger Mann. Mann kann sich glücklich schätzen, ihn zu haben.“ Hier macht Rutte eine Andeutung von Ehrerbietung gegenüber dem Spanienhasser Trump, der nun in die Wiederholungsschleife startete: „Man sollte mit ihnen (den Spaniern, d. Red.) nicht mehr reden. Sie sind ein hoffnungsloser Fall. Mal sehen, wie feindselig die Spanier noch sind, wenn sie anrufen: Bitte, bitte, wir wollen mit ihnen Geschäfte machen. Sie verdienen so viel Geld mit uns. Und wir werden dafür sorgen, dass sie viel weniger verdienen. Ich will nicht mehr mit ihnen handeln.“

Die Experten beugten sich über solche Embargo-Drohungen, erörterten die Launenhaftigkeit als politische Theorie, um dann im wesentlichen zu sagen: man dürfe gespannt sein; die Pflicht der staatsbürgerlichen Willensbildung auch beim Thema „launischer Trump“ wie selbstverständlich voraussetzend. Und immer unabweislicher wurde für die Zuschauenden die Frage: warum wird uns unser Präsident a. D. vorenthalten? Was hat Trump, das Gauck nicht hätte? Dies natürlich recht verstanden gefragt, denn dem elaboriert agierendem Demokratieschützer Gauck geht ja doch in Gänze ab, was dem regressiv motzenden Demokratiegefährder Trump eignet.
Eine Psychoanalytikerin, ein Psychoanalytiker waren bei Lanz nicht zugegen. Sie hätten mit einer Analyse zum Thema Regression und frühes Leid womöglich eine andere Aktualität von Trump aufgezeigt, sein inneres Schluchzen hörbar gemacht. So aber blieb der auf den letzten Drücker erfolgte Präsidentenwechsel im wesentlichen unverstanden.
