
Dieses Bild ist dem amtierenden amerikanischen Präsidenten offenbar zuwider: Ein Werk des Künstlers Kehinde Wiley, der unter anderem das offizielle Porträt des früheren US-Präsidenten Obama gemalt hat, soll auf Wunsch des US-Außenministeriums aus der amerikanischen Botschaft in der Dominikanischen Republik entfernt werden.
Hinter US-Flagge versteckt
Das Bild mit dem Titel „Young Artists After Siamesas 1960“ sei „sehr woke“ und „ästhetisch erschreckend“, so Erin Scavino, die Direktorin des Programms „Art in Embassies“, das formal dem Außenministerium angegliedert ist. Das Werk, das 2013 mit öffentlichen Mitteln gekauft wurde, zeigt vier dominikanische Modelle vor einem floralen Hintergrund in kräftigen Blau- und Rottönen. Wiley bezog bei der Fertigstellung örtliche Kunststudierende ein. Es wurde bereits vergangene Woche aus der Botschaft in Santo Domingo entfernt. Zuvor war es der „New York Times“ zufolge hinter einer Plane mit der amerikanischen Flagge versteckt worden.
Der Wind hat sich gedreht
Kehinde Wiley ist kein Unbekannter, sondern ein renommierter Künstler: Seine Arbeiten finden sich in etlichen bedeutenden Institutionen wie dem Metropolitan Museum of Art oder der National Portrait Gallery. 2015 erhielt Wiley noch eine Auszeichnung des US-Außenministeriums dafür, dass er durch seine visuelle Kunst zur Diplomatie beitrage. Nun hat sich der Wind um 180 Grad gedreht, das Außenministerium plant offenbar, sein Werk schnellstmöglich zu verkaufen.
Leah Campos, die US-Botschafterin der Dominikanischen Republik, dokumentierte die Abhängung und Verfemung des Gemäldes in den sozialen Medien triumphierend mit einem Video, das sie mit dem Rocksong „We’re Not Gonna Take It“ unterlegte. Sie beschrieb dazu Wileys Bild als Beispiel für eine „globalistische und woke Ideologie“. Statt einen eigenständigen Kulturbegriff zu formulieren und Beispiele dafür zu liefern, genügt sich die rechtspopulistische Kulturhegemonie damit, als Zensor aufzutreten und die Vorzeichen umzudrehen.
