Wenn die großen Hollywoodstars nach Venedig kommen, stehen selbst Journalisten und Filmemacher Schlange. So geschah es am Donnerstagnachmittag, als George Clooney in einer Masterclass auf dem Lido auf seine Karriere zurückblickte. Am Abend zuvor hatte das Festival ihn zur Eröffnung mit dem Ehrenlöwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet, um ihn da am roten Teppich zu erwischen, waren Fans bereits tags zuvor angereist. Nun sollte der Schauspieler also auf mehr als drei Jahrzehnte Filmschaffen zurückblicken. Der große Saal war bis auf den letzten Platz belegt. Clooney kam pünktlich, trug zum hellgrauen Anzug sein charmantestes Lächeln und begann das Gespräch mit einer Klarstellung.
„Ich glaube, es ist nicht gut, wenn man in zu jungem Alter zu schnell Erfolg hat. Man hat keine Gelegenheit, im Privaten Fehler zu machen, bevor man berühmt wird“, so Clooney. Er selbst habe das Glück gehabt, dass seine Karriere erst im Alter von 34 Jahren an Fahrt aufnahm. Mit Kino habe er ursprünglich gar keine großen Berührungspunkte gehabt. „Ich bin in Kentucky aufgewachsen“, erinnerte er sich. „Ich habe dort auf einer Farm Tabakblätter geerntet für drei Dollar Stundenlohn.“

Erst mit 19 Jahren kam er durch seinen Cousin, den Schauspieler Miguel Ferrer, mit dem Filmgeschäft in Berührung. „Miguel lud mich nach Los Angeles ein, wo er wohnte. Also fuhr ich in meiner alten Schrottkiste dorthin, um mein Glück im Filmgeschäft zu versuchen.“ Die ersten Monate habe er in der Wohnung eines Freundes übernachten können, „in einem kleinen Zimmer, das sonst als begehbarer Kleiderschrank diente“. Zu den ersten Vorstellungsgesprächen fuhr er mit dem Rad, denn sein Auto hatte mittlerweile den Geist aufgegeben. Für L.A. ein ungewöhnliches Fortbewegungsmittel.
Nutze den glücklichen Zufall
Ob er denn einen Rat habe, wie es gelinge, im Filmgeschäft Erfolg zu haben, wollte ein junger Schauspieler von ihm wissen. „Vieles hängt vom glücklichen Zufall ab, allerdings liegt es an Ihnen, bereit zu sein, wenn sich eine Gelegenheit auftut“, so der Hollywoodstar. Für ihn bedeutete das etwa in den frühen Neunzigerjahren, eine Hauptrolle in der Pilotfolge einer Fernsehserie abzusagen, um beim Dreh der ersten Testfolge der Serie „Emergency Room“ dabei sein zu können. „Ich hatte nur drei kleine Szenen, in denen ich auftreten durfte, aber ich wusste, dass Spielberg das Projekt unterstützt und das Drehbuch von Michael Crichton stammt.“
Für die Kombination zweier Namen mit Erfolgsgarantie setzte der junge Clooney also alles auf eine Karte. Die Rechnung ging auf – Glück lässt sich durchaus also ein bisschen anschubsen, zumal wenn man in seinen drei kleinen Szenen einen Kinderarzt gibt („die Leute mochten den Typen, der nett zu Kindern ist, sofort“) und damit eine Hauptrolle in der Serie landet.

Doch auch nachdem er in der Fernsehserie über mehrere Staffeln Erfolge feierte, blieb der Weg als Darsteller auf der Kinoleinwand beschwerlich. Vor allem eine frühe Kinorolle bezeichnet er noch heute als Flop: Sein Auftritt als Batman in Joel Schumachers „Batman & Robin“ behagt ihm gar nicht mehr. Allerdings habe er aus der Erfahrung gelernt, „mehr auf die Qualität der Drehbücher zu achten“ – was wiederum später bei ersten eigenen Regieprojekten half.
Viel Lob für seine Frau Amal
Clooney achtete bei den Fragen des Publikums allerdings darauf, nie zu viel Einblick ins Privatleben zu geben. Als eine Dokumentarfilmerin wissen wollte, ob seine Ehefrau, die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, manchmal über die Drehbücher schaue, bevor er sie annehme, stellte er nur knapp fest, dass es so nicht ablaufe.
Mit Lob für die Arbeit seiner Frau sparte er an andere Stelle hingegen nicht. Jahrelang habe er sich dafür engagiert, seine Stimme für Menschen in Krisengebieten einzusetzen. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, den Protest etwa gegen das Unrecht in Darfur lautstark zu äußern. Ich hatte aber wenig Erfolg damit, für Gerechtigkeit zu sorgen. Meine Frau ist die wirklich krasse Person. Sie hat IS-Leute vor Gericht gestellt und ins Gefängnis gebracht. Sie vollbringt wirklich wichtige Arbeit.“
Sehr persönlich wurde der Star dann doch noch einmal, als er über den Krebstod seiner Schwester im vergangenen Jahr sprach. „Sie erkrankte plötzlich und starb sehr schnell.“ Er hatte ihr sehr nahegestanden. „Ich war bei ihr, als sie starb“, so Clooney. Er habe ihre Hand gehalten und gefühlt, wie vergänglich alles sei. „Einen Augenblick zuvor hielten wir uns noch als kleine Kinder an den Händen, nun hielt ich ihre Hand, als sie starb.“
Er könne nicht wissen, was nach dem Tod passiert. „Niemand ist bisher zurückgekehrt, um mir davon zu berichten.“ Also sei es wichtig, in seinem jetzigen, irdischen Leben Freude zu finden und diese mit Menschen, die man liebt, zu teilen.
