„Bierseelig“ geht es los, wenn das Auktionshaus Neumeister in München am 23. und 24. Juni ein letztes Mal zu Versteigerungen einlädt. Zum 31. Oktober stellt das Haus den Geschäftsbetrieb ein. Die lange Reihe seiner Sonderauktionen mit Vintagemode, Objekten aus Adelshäusern oder „Plastic Fantastic“ endet mit rund 200 Losen der Privatsammlung von Familie Sedlmayr, Eignerin des Spatenbräu bis 2003, sowie der Direktionssammlung der traditionsreichen Brauerei.
Im Zentrum steht ein Mann, der größte Bedeutung für das Brauwesen hatte: Herzog Wilhelm IV. von Bayern erließ 1516 das Bayerische Reinheitsgebot, das Gerste, Hopfen und Wasser als Zutaten fürs Bier festlegte. Sein Porträt von Hans Schöpfer dem Älteren befand sich anfangs in der Residenz, später zeitweise in der Alten Pinakothek Münchens und soll nun 20.000 bis 25.000 Euro bringen.
Unter vielen in Schenken und Biergärten spielenden Genrebildern geht es auf Ferdinand Leekes „Wirtshausszene am Hoftheater“ besonders trunken und freizügig zu (Taxe 6000 bis 8000 Euro). Maßkrüge, wie sie Bedienungen dort und seit je durchs Gewusel schleppen, würden lange Regalmeter füllen. Aus Holz, Glas, Zinn, Keramik sind die zum Teil schon aus dem 17. Jahrhundert stammenden und meist bemalten Humpen. Der höchsttaxierte aus Nürnberg zeigt den Sündenfall in blauer Farbe (1500/1800).
Geschlossen wird aus privaten Gründen
Mit Neumeister verabschiedet sich ein Auktionshaus, das lange Zeit eine führende Rolle auf dem deutschen Markt spielte. Rudolf Neumeister startete 1958 nach Übernahme des Hauses Weinmüller erfolgreich durch. Von 2008 an fungierte seine Tochter Katrin Stoll als geschäftsführende Gesellschafterin und modernisierte den Betrieb, den sie nun aus privaten Gründen schließt.
Dem Abschied assistieren noch einmal „Hausheilige“ wie der Maler Carl Spitzweg, mit einem Bild einer einen Waldsteg überquerenden Sennerin (15.000/20.000) oder Franz von Stuck mit dem Bildnis einer bildschönen „Römerin“ (30.000/40.000). Mit einem Pfingstrosenstrauß glänzt Carl Schuch im wieder umfangreichst ausgestatteten Kapitel zum 19. Jahrhundert (30.000/40.000).

Das Toplos findet sich aber unter den Alten Meistern beziehungsweise Meisterinnen, denn das Großformat „Lasset die Kindlein zu mir kommen, Christus segnet die Kinder“ signierte Angelika Kauffmann 1796. In ihrer Werkliste zählt sie das für Kaspar Max Freiherr Droste zu Vischering, Weihbischof von Münster, ausgeführte Gemälde zu ihren wichtigsten Aufträgen. 2016 blieb das Werk bei Neumeister unter Taxe bei 150.000 Euro hängen; aus „süddeutschem Privatbesitz“ kommend, versucht es sein Glück, diesmal auf 100.000 bis 150.000 Euro bewertet. Max Slevoghts „Landschaft bei Neukastel nach NO…“ von 1921 bereichert das Angebot von Kunst der klassischen Moderne mit einem weiten Blick über eine Lieblingsregion des Malers, der dort auf dem Landsitz seiner Schwiegereltern unbeschwerte Sommer verlebte (60.000/80.000).
Bis zum Schluss bleibt man bei Neumeister dem Vielspartenprogramm treu. Unter Kunsthandwerk und Antiquitäten ragt eine silberne Empire-Taufkanne für den kleinen Prinzen von Oranien-Nassau, den späteren niederländischen König Wilhelm II., hervor (10.000/12.000). Ein weiteres Highlight setzt eine um 1480/90 in Schwaben geschnitzte Madonna, die das wohl etwas zappelige Kind im Arm vor sich und an einem Beinchen festhält (20.000/30.000). Der allerletzte Hammerschlag bei Neumeister wird einer Fotomappe des Münchner Künstlers Alexander Timtschenko gelten, der zwischen 1997 und 2002 den Bau von Münchens Pinakothek der Moderne begleitete (Auflage von 100, Taxe 300/400).
