Die makroökonomischen Rahmenbedingungen sind derzeit nicht die besten. Da ist der Irankrieg mit der Blockade der für den Energie- und Welthandel wichtigen Straße von Hormus. Die Mittel- und Langfristfolgen für Energiepreise, Inflation und Leitzinsen sind noch nicht absehbar. Aber Raja Akram gibt sich unerschütterlich.
„Wir werden unsere Ziele erfüllen. Ich denke, wir haben die Bank so aufgestellt, dass wir mit Spannungen, Widrigkeiten oder wirtschaftlichen Verwerfungen umgehen können“, sagte der Nachfolger von James von Moltke bei seiner ersten Vorlage des Quartalsberichts.
Nach Steuern verdiente Deutschlands größte Geschäftsbank zwischen Januar und März 2,2 Milliarden Euro. Vor Steuern, der einst von von Moltke bevorzugten Kennziffer, sogar drei Milliarden Euro, sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und so viel wie seit 2007 nicht mehr. Auch bei den Gesamterträgen zeigt sich ein leichtes Plus von zwei Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Ein bisschen ist die Deutsche Bank sogar ein Krisengewinnler. Kunden wünschten in diesem Umfeld mehr Risikomanagement und mehr Beratung. „In gewisser Weise sind wir also für sie da. Und das hat offensichtlich unseren Ergebnissen im ersten Quartal geholfen“, sagte Akram.
Licht und Schatten
Ein näherer Blick auf die vier Geschäftsfelder der Bank offenbart im Auftaktquartal zwar viel Licht, aber auch kurze Schatten: Die Privatkundenbank konnte im März-Quartal ihre Erträge um fünf Prozent auf 2,57 Milliarden Euro steigern. Der Gewinn vor Steuern stieg sogar um 39 Prozent auf 681 Millionen Euro. Auch ist das Privatkundengeschäft des Instituts effizienter geworden. Die Kosten-Ertrag-Relation sank um 4,4 Prozentpunkte auf 66,5 Prozent. Das heißt, die Bank musste 0,665 Euro aufwenden, um einen Ertrag von einem Euro zu generieren.
Zu dem guten Ergebnis in der Privatkundenbank habe auch das hohe Einlagenwachstum beigetragen, erläuterte das Institut in seinem Zwischenbericht. Das Kundenvermögen stieg im Vergleich zum Vorquartal um 30 Milliarden auf 821 Milliarden Euro, unter anderem durch Nettomittelzuflüsse von elf Milliarden Euro. Letztere enthielten zehn Milliarden Euro in Anlageprodukte, was die Fortschritte mit Blick auf die Strategie widerspiegelt, die Verwaltung von Vermögen zu stärken.
In der Vermögensverwaltung, in der auch die Fondstochtergesellschaft DWS voll konsolidiert ist, legte das Vorsteuerergebnis um 37 Prozent auf 279 Millionen Euro zu, während die Erträge um zehn Prozent auf 802 Millionen Euro stiegen.
In der Unternehmensbank gingen die Erträge indes um drei Prozent auf 1,82 Milliarden Euro zurück. Akram begründete das vor allem mit Wechselkurseffekten. Der Dollar habe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als zwölf Prozent abgewertet, führte Akram aus. Das Vorsteuerergebnis sank um ein Prozent auf 623 Millionen Euro.
Die Investmentbank musste bei stabilen Erträgen von 3,37 Milliarden Euro ein sieben Prozent niedrigeres Vorsteuerergebnis von 1,44 Milliarden Euro hinnehmen. Dies war im Wesentlichen einer erhöhten Risikovorsorge geschuldet, die ein „Einzelengagement“ notwendig machte, hieß es seitens der Bank.
Insgesamt zeigte sich Akram mit dem Kreditportfolio zufrieden. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft lag bei 519 Millionen Euro und damit bei 43 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens. Im Vorjahresquartal waren es 471 Millionen Euro. So ganz sicher, dass der Deutschen Bank im gegenwärtigen Umfeld nichts zustoßen kann, scheint man sich in den Doppeltürmen an der Frankfurter Taunusanlage aber doch nicht zu sein. Denn die in diesem Jahr um zehn Prozent höhere Risikovorsorge enthält auch einen sogenannten Overlay, also Geld, das vorsichtshalber der Risikovorsorge zugeführt wird, um für Eventualitäten gewappnet zu sein. Akram bezifferte den Betrag auf 90 Millionen Euro. „Private Debt“ hingegen sei für die Deutsche Bank kein Thema, sagte Akram: „Wir haben keine Verluste.“

Er betonte zudem die Kostendisziplin der Bank. Die Nachsteuerrendite auf das materielle Eigenkapital stieg auf 12,7 Prozent verglichen mit 11,9 Prozent im Vorjahresquartal. Die Aufwand-Ertrag-Relation sank auf 58,9 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie noch 61,2 Prozent betragen.
Weniger zufrieden als Akram und Vorstandsvorsitzender Christian Sewing waren die Anleger. Am Nachmittag lag der Aktienkurs des Instituts um drei Prozent im Minus. „Während die Ergebnisse die Erwartungen übertrafen und der Ausblick für 2026 bekräftigt wurde, dämpfen der Anstieg der Risikovorsorge und die niedriger als erwartet ausgefallene harte Kernkapitalquote die Begeisterung“, kommentierten die Analysten von RBC.
