Klar, politische Biografien verraten uns im besten Falle viel über Menschen, die Geschichte geschrieben haben oder das gerade tun. Aber manche Biografien – und Autobiografien – leisten noch mehr. Sie führen mitten hinein in die Welt der Macht, erzählen von fatalen Irrtümern, von politischer Raffinesse und Verwundbarkeit. Und manchmal auch davon, wie tief der Blick auf Macht sich im Laufe der Zeit verändert. Acht ZEIT-Autorinnen und -Autoren geben im Politischen Feuilleton ihre persönliche Empfehlung ab.
Vieles an diesem Buch ist außergewöhnlich, allein schon die Spanne an politischen Entscheidungen, an denen Wolfgang Schäuble zwischen 1972 und 2023 beteiligt war und von denen er packend erzählt. Von den Ostverträgen Willy Brandts (für die er heimlich stimmte) über die deutsche Einheit (die er wesentlich managte) bis zur Islamkonferenz und zur Eurokrise – überall war dieser Mann nicht nur Zeitzeuge, sondern Akteur und Antreiber. Schäubles Erinnerungen sind also ein Geschichtsbuch aus der Sicht eines Insiders und schon daher interessant.
