
Auf der traditionellen Gewerkschaftskundgebung am 1. Mai hat der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks die Bundesregierung scharf kritisiert. Die von der schwarz-roten Koalition in Berlin geplanten Leistungskürzungen, etwa bei der gesetzlichen Krankenversicherung, bezeichnete Jacks als „Klassenkampf von oben“. Er warf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, der „neoliberalen Agenda“ der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zu folgen, zu der unter anderem eine „Deregulierung des Arbeitsmarkts“ und eine Aufweichung der Klimaschutzziele gehörten.
„Merz und die INSM haben das Geld, aber wir haben die Kraft der Solidarität“, rief Jacks den nach Polizeiangaben rund 5000 Kundgebungsteilnehmern auf dem Römerberg zu. „Stellt euch diesen Sommer auf gemeinsame Maßnahmen gegen die geplanten Reformen ein. Dieser Sommer wird heiß, laut und unbequem für die Bundesregierung werden.“ Empört zeigte sich der Frankfurter DGB-Chef auch über Berichte, wonach die Union bei der Koalitionsklausur Mitte April gefordert haben soll, den gesetzlichen Feiertag am 1. Mai zu streichen.
Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sagte in seiner Ansprache: „Ein Staat, der sozial gerecht ist, schützt die Demokratie.“ Zur Debatte über die gesetzliche Rente sagte er: „Unsere Renten sind keine Almosen, sondern hart erarbeitete Ansprüche, und wer dies infrage stellt, greift Lebensleistungen an.“ Indirekt war auch das ein Seitenhieb auf Merz, der über die gesetzliche Rente unlängst gesagt hatte, sie werde in Zukunft „allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“.
Josefs Auftritt wurde von Buhrufen und lautstarken Zwischenrufen propalästinensischer Demonstranten begleitet. DGB-Chef Jacks, der die Gruppe schon zu Beginn seiner eigenen Rede um Ruhe gebeten hatte, bezeichnete deren Verhalten als „unsolidarisch“. Der 1. Mai sei der Tag „aller arbeitenden Menschen“ und richte sich „gegen jede Unterdrückung und jede Diskriminierung“. Im Übrigen habe der DGB in einem 2025 veröffentlichten Positionspapier ein Ende der Gewalt im Gazastreifen gefordert und dabei sowohl das Vorgehen der israelischen Regierung kritisiert als auch das der Hamas.
Oberbürgermeister Josef ergänzte: „Wir stellen uns gegen alle Menschenfeinde, diejenigen, die versuchen, rassistisch Menschen zu jagen, die antisemitisch versuchen, Menschen zu jagen, die den Mensch als Menschen nicht akzeptieren.“
Auch in anderen hessischen Städten fanden am 1. Mai Kundgebungen statt, etwa in Darmstadt, Offenbach, Gießen und Kassel. Insgesamt wurden in Hessen nach Angaben des DGB 19.500 Teilnehmer gezählt.
