Jedes Ding hat seine Zeit, aber für dieses Ding hatte Jürgen Klopp einfach keine: »Ich habe im normalen Leben für Dummheit wenig Zeit – und in den sozialen Medien auch nicht.« Er drehte bei diesen Worten seinen Kopf ein wenig schraubverschlussmäßig hin und her und redete glasklar geradeaus. Da hatte man den Trainer in einer Pressekonferenz gefragt, ob er mitbekomme, dass im Netz die deutsche Nationalelf für zu wenig deutsch, zu wenig weiß befunden werde.
Das Videoschnipselchen, das seither die Runde macht, gehört unter Denkmalschutz gestellt, man könnte es betiteln als »Zivilisation Herbst 26«, aufgrund der Mimik, der Gestik, der Worte, überhaupt des aufrechten Gesamt-Klopps, der sich vor Unwillen zu winden scheint, über Hautfarben nachsinnen zu sollen, als wäre die erste Vollpleite gegen die Griechen am 27. September für den Nationalstolz nicht nervig genug gewesen.
