
Es gilt, Mark Twain zu zitieren: „Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben.“ So lässt sich kommentieren, was in den vergangenen Jahren alles über den Tod des deutschen Wirtschaftsmodells geschrieben wurde, das am Export hängt. Ausgerechnet der Export ist es nun, der im ersten Halbjahr die hiesige Wirtschaft angetrieben hat – nach drei Jahren einer schrumpfenden Ausfuhr.
In diesem Wiedererstarken gründet die überraschend robuste Erholung. Die inländische Nachfrage dagegen, die von den Kritikern des Wachstumsmodells als Rettung gepriesen wird, blieb in den ersten sechs Monaten wie zuvor: blutleer.
Das Plus des Exports ist kein Zeichen, dass nun alles wieder gut wird und die Wettbewerbsschwäche der Industrie überwunden sei. Zum Teil führt der Ausfuhrerfolg sich darauf zurück, dass ausländische Unternehmen noch schnell einkauften, um sich vor befürchteten Preiserhöhungen und Lieferschwierigkeiten als Folge der kriegerischen Spannungen um Iran zu wappnen. Dieser Sondereffekt wird schnell verpuffen.
Zum Teil spiegelt der Exporterfolg aber auch die Anpassungsfähigkeit deutscher Unternehmen, die sich trotz sinkender Verkäufe in Amerika und in China sich neue Absatzmöglichkeiten in der Europäischen Union erschließen. Sollte sich dieser Eindruck in den kommenden Quartalen bestätigen, wäre das ein solideres Signal für eine inhärente Stärke der Wirtschaft als die überraschend stabile Erholung.
Stabil ist diese Erholung im ersten Halbjahr nur insoweit, als die deutschen Unternehmen die höheren Energiepreise recht gut verkraftet haben, im Gegensatz zu den Verbrauchern, deren Konsum stagniert. Grell leuchtet aber das Warnsignal, dass die hohen schuldenfinanzierten Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung in der Summe bislang keinen rechten Investitionswillen der Unternehmen ausgelöst haben.
Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen haben bestenfalls den Boden gefunden, private Bauinvestitionen rutschen weiter ab. Solange die Regierung diese Trends nicht mit einer klugen Angebotspolitik bricht, wird es in Deutschland keine stabile wirtschaftliche Erholung geben.
