Die größte Frage, die bis dahin beantwortet sein wird, ist die nach dem Bundestrainer. Julian Nagelsmann wird es nicht mehr sein, Jürgen Klopp soll es sein. Es ist aber bei Weitem nicht die einzige Personalie. Denn abseits von dem, der nominiert, stellt sich die Frage nach denen, die er nominiert.
Deutschlands nächstes Spiel gegen die Niederlande
Von dem Montag im Herbst an werden die Nationalspieler und der DFB-Tross gleich zwei Wochen am Stück zusammen verbringen, weil der europäische Dachverband UEFA zwei Zeitfenster mit jeweils zwei Länderspielen zu einem längeren mit vier Partien zusammengefasst hat.
Kommt der Generationswechsel auf der Torhüterposition?
Zum höchsten Altersschnitt einer deutschen WM-Startelf seit dem Viertelfinale 1998 von 28,45 Jahren trugen Neuer und Rüdiger gegen Paraguay bei. Viel älter als 30 Jahre waren zudem die Ersatzspieler Pascal Groß (35) und Oliver Baumann (36). Nach Julian Nagelsmanns kurzfristiger Aktion mit Neuer ist die Frage, wie der neue Bundestrainer sein Nationalteam im September auf der Torwartposition ausrichten möchte.
Weder Baumann, dem Neuer den WM-Stammplatz nahm, noch Marc-André ter Stegen, 34 Jahre alt, dem die nächste Verletzung den WM-Stammplatz nahm, sind langfristige Lösungen. Womöglich treibt sie ihre Enttäuschung an, es zumindest bei der EM noch einmal zu probieren – wenn man sie lässt. Der dritte WM-Torwart Alexander Nübel (29) muss außerdem, wie ter Stegen, erst einmal klären, für welchen Verein er fortan spielen wird.

Das Gesicht einer neuen Generation hielt sich bei der WM im Hintergrund. Jonas Urbig (22) stand nicht im offiziellen Kader, war als „Trainingstorwart“ aber dabei und dürfte als Neuer-Nachfolger in spe beim FC Bayern auch in der Nationalelf die besten Karten in der Hand halten. Neben ihm gibt es Torhüter, die ebenfalls am Beginn ihrer Karriere stehen, wie Noah Atubolu (24), Mio Backhaus (22), Tjark Ernst (21) oder Dennis Seimen (20).
In der Abwehr ist Schlotterbeck (26) ein langfristigerer Baustein als Tah (30). Yann Aurel Bisseck (25) und Finn Jeltsch (19) sind mögliche Zukunftslösungen. Nathaniel Brown (23) war die WM-Entdeckung als Linksverteidiger; er löste vor dem Turnier David Raum (28) ab und spielt fortan für den FC Bayern.
Was wird aus Kapitän Joshua Kimmich?
Eine Kernfrage betrifft den Einsatzort von Joshua Kimmich, der fast die gesamte WM Rechtsverteidiger blieb und erst kurz vor Ende ins Mittelfeldzentrum rückte. Wie plant der neue Bundestrainer mit dem Kapitän? Dass der, obwohl auch schon 31 Jahre alt, weiter mit sich in der Nationalmannschaft plant, ließ er schon vor der WM anklingen.
Doch wer sollte der Rechtsverteidiger der Zukunft sein, wenn nicht Kimmich? Waldemar Anton (29) und Malick Thiaw (24) waren Notlösungen, Ridle Baku, Benjamin Henrichs und Josha Vagnoman nicht nominiert. Junge Alternativen wären Philipp Treu (25) aus Freiburg, Elias Baum aus Frankfurt oder der frühere Schalker Taylan Bulut (beide 20), der nun bei Besiktas Istanbul spielt. Doch würden sie 2028 schon reif für das EM-Niveau sein?

Das Mittelfeld ist derzeit der deutsche Mannschaftsteil mit dem besten Alter-Leistungs-Verhältnis mit Felix Nmecha, Angelo Stiller (beide 25), Aleksandar Pavlović (23) und Tom Bischof (21) für den defensiven Part wie Jamal Musiala, Florian Wirtz, Maximilian Beier (alle 23) und Jamie Leweling (25) für den offensiven. Dazu kommen die bei dieser WM noch fehlenden Saïd El Mala (19), Brajan Gruda (22) – und das große Talent Kennet Eichhorn, der erst 16 Jahre alt ist und von Hertha BSC nach Leverkusen wechselt.
Eine Problemposition neben der des Rechtsverteidigers bleibt die des Mittelstürmers. Zuletzt spielte dort vor allem Kai Havertz (27). Bei der EM vor zwei Jahren gab es mit Niclas Füllkrug (33) einen Vertreter, danach war es Tim Kleindienst (30), bei der WM nun Deniz Undav (29). Nick Woltemade (24) ist jünger, aber auch kein typischer Mittelstürmer; auch Jonathan Burkardt (25) und Nicolò Tresoldi (21) sind Kandidaten.
Sie dürfen nach dem dritten frühen WM-Aus hoffen, die Gegenwart und die Zukunft zu sein. Die Nations-League-Kampagne und die anschließende EM-Qualifikation für das Turnier im Vereinigten Königreich und Irland werden zeigen, welche Spieler bereit sind, die Nationalmannschaft in bessere Zeiten zu führen – und vor welchen Gegnern sie sich besser verstecken muss.
