Herr Mund, kommt es öfter vor, dass Politiker bei Ihnen Strandkörbe bestellen?
Das gibt es schon mal, ja. Bei der Strandkorbbestellung ist jede Berufsgruppe vertreten, ich kann da jetzt keine genaue Prozentzahl nennen. Aber Politiker sind nicht unsere konkrete Zielgruppe.
Was dachten Sie, als der Auftrag von Philipp Amthor einging, dem Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt?
Ich habe mich gefreut. Er hat ja seinen Wahlkreis hier in Mecklenburg, und ich kenne ihn persönlich von Usedom, er hat dort Firmen besucht und war auf vielen lokalen Veranstaltungen. Ich habe ihn als fleißigen Menschen kennengelernt, der viel unterwegs ist und mit den Leuten redet. Vor sechs oder sieben Jahren habe ich gesagt: Philipp, wenn du mal einen Strandkorb brauchst, dann meldest du dich. Und dann war es irgendwann so weit.

Wer gehört denn zu Ihrem üblichen Kundenstamm?
Das eine ist der Terrassenkunde, der sich einen individuellen Strandkorb bauen will, der anders aussieht als der vom Nachbarn. Wir sind ja eine Manufaktur und können jedes Teil einzeln gestalten. Das andere ist der B2B-Bereich, also gewerbliche Strandkorbvermieter: In Hotels, in der Gastronomie stehen die dann am Pool oder im Spa-Bereich. Unser Hauptschwerpunkt ist aber gar nicht das, was wir Herrn Amthor geliefert haben, sondern Sonderbauten. Wir haben zum Beispiel den größten Strandkorb der Welt gebaut. Dadrin haben 100 Kinder gesessen.
Und was wollte Herr Amthor haben?
Den „Original Heringsdorfer“: einen ganz schlichten und einfachen Strandkorb, wie er auch hier am Strand steht. 1600 Euro kostet der, die hat Philipp selbst bezahlt. Er hat keine Sonderkonditionen gekriegt. Ich hätte ihm auch einen Strandkorb konfigurieren können mit herausnehmbaren Sitz- und Rückenpolstern, mit Heizung drin, mit einem USB-Port oder einem Kühlschrank drin. Aber er hat extrem großen Wert darauf gelegt, dass es ein einfaches Modell ist. Egal, wo er beruflich mal landet – er wollte ihn mitnehmen können und dann eines Tages in seinen Garten stellen.
Amthor hatte sich vom ZDF dabei filmen lassen, wie er den Strandkorb von Ihnen auf der Terrasse seines neuen großen Büros im Kanzleramt in Empfang nimmt. Das brachte ihm in den sozialen Medien viel Spott ein. Können Sie die Kritik an dem Kauf nachvollziehen?
Er wollte sich ein Stück Heimat in sein berufliches Umfeld holen. Daran ist erst mal grundsätzlich nichts einzuwenden. Dazu hat er einen ganz einfachen Strandkorb gewählt. Natürlich kann sich nicht jeder einen Strandkorb für 1600 Euro leisten, das muss man auch ganz klar sagen. Aber bei uns ist das der Preiseinstieg. Im Augenblick haben wir dazu eine politische Eruption. In solchen Zeiten wird ihm wahrscheinlich unterstellt, dass er sich mit diesem Strandkorb, der für uns das einfachste Modell ist, Luxus ins Kanzleramt geholt hat.
Ich habe mich in den letzten Tagen mit vielen Menschen unterhalten, die gesagt haben, dass so ein Strandkorb für sie Luxus ist. Aus dieser Sichtweise heraus muss man das verstehen. Dass das Thema gerade in den sozialen Medien ausgeschlachtet wird, um Klicks zu generieren, finde ich nicht fair. Ich würde mir eine andere Zeit wünschen, in der sich die Menschen mehrere Seiten anhören.
Und was soll nun mit dem Strandkorb passieren?
Ich glaube, dass Philipp den spenden will.
Was denken Sie: Brauchen wir mehr Strandkörbe im Kanzleramt?
Unsere Strandkorbmanufaktur gibt es seit über 100 Jahren, wir sind die älteste in Deutschland. Inzwischen kämpfen wir gegen den asiatischen Markt. Bei den Löhnen und den Abgaben, die eine deutsche Produktion erfordert, müssen wir schauen, dass wir wettbewerbsfähig bleiben. Es wäre schön, wenn wir mehr Strandkörbe verkaufen, egal wohin. Das Kanzleramt ist jetzt nicht unser Ziel gewesen, wirklich nicht. Natürlich habe ich mich gefreut, dass ich dorthin fahren und Philipp den Strandkorb übergeben konnte – mit seinen Wahlkreisen im Norden passt das ja auch sehr gut. Man muss aber vielleicht auch fragen, worum es beim Strandkorb eigentlich geht. Er hat zwei Funktionen. Die erste ist ein Windschutz, und im Kanzleramt weht der Wind im Augenblick ja ziemlich hart. Die andere Funktion ist das sogenannte Privacy Shield. Der Strandkorb soll dir ermöglichen, dass du mal nur für dich bist.
