
In der ersten Junihälfte schmücken Merkur, Venus und Jupiter nach Sonnenuntergang den Nordwesthorizont. Das Treffen der beiden kleinsten und des größten Planeten unseres Sonnensystems erreicht um den 9. Juni seinen Höhepunkt, wenn die helle Venus an dem etwas blasseren Jupiter vorbeizieht und fortan höher steht als der Riesenplanet. Dabei kommen sich die beiden auf etwa das Dreifache des Vollmonddurchmessers nahe – das Paar fällt damit auch ungeübten Sternguckern sofort auf, zumal beide Planeten nach Sonne und Mond die hellsten Objekte am Himmel überhaupt sind.
Der erheblich schwächere Merkur hält hingegen respektvollen Abstand und erhebt sich nur knapp über den Horizont, sobald kurz nach 22 Uhr der Himmel dunkel genug geworden ist, um ihn wahrnehmen zu können. Merkurs Abendsichtbarkeit ist im Juni ohnehin eher ungünstig: Die Ekliptik, also die die Ebene des Sonnensystems markierende Linie am Himmel, steht im Sommer zum Abend recht flach. Dennoch sollte sich der kleinste Planet (sein Durchmesser erreicht nur knapp 4900 Kilometer) bei klarem Himmel in der Dämmerung mit einem Fernglas leicht ausmachen lassen.
Die Venus bekommt Besuch von der schmalen Mondsichel
Zum Monatsende verlassen sowohl Merkur als auch Jupiter die Himmelsbühne und wandern aus Erdsicht vor (im Falle von Merkur) und hinter die Sonne (Jupiter), stehen also gemeinsam mit dieser am Taghimmel und sind nicht mehr zu sehen. Nur Venus bleibt übrig: Besonders am Abend des 17. Juni fällt unsere Nachbarin gut auf, denn dann bekommt sie Besuch von der schmalen Mondsichel. Der Mond kommt der Venus am Himmel bis auf weniger als seinen eigenen Winkeldurchmesser nah.
Den abendlichen Fixsternhimmel dominieren Arktur und Wega. Arktur, Leitstern der Konstellation Bärenhüter oder Bootes, kreuzt schon vor Mitternacht den Meridian, also den höchsten Punkt seiner Himmelsbahn. Seinen tatsächlichen Zenit hat Arktur schon vor etlichen Millionen Jahren überschritten. Das belegt sein orangegelbes Leuchten, das ihn als gealterten Stern von etwa acht Milliarden Jahren auszeichnet.
Arktur ist damit eine Art gealtertes Abbild unserer etwa drei Milliarden Jahre jüngeren Sonne. Seine Energie entsteht nicht mehr durch das Wasserstoffbrennen in seinem Zentrum, sondern in Schalen um einen ausgebrannten Sternkern. Folglich hat sich Arktur auf das Fünfundzwanzigfache des Sonnendurchmessers aufgebläht.
Anders die Wega im Sternbild Leier, die mit nur 400 Millionen Jahren ein echter Jungspund ist. Ihr weiß-bläuliches Licht lässt sie für menschliche Augen heller als Arktur erscheinen, obwohl Letzterer eigentlich der leuchtstärkere der beiden ist. Allerdings nur, wenn der Himmel richtig dunkel ist – in der Dämmerung sehen viele Beobachter Arktur schon vor der Wega auftauchen.
Das kann einerseits daran liegen, dass Arktur im Juni erheblich höher am Himmel steht als Wega, wenn die Dämmerung beginnt. Der eigentliche Grund aber ist, dass sein rötliches Licht sich stärker vom Himmelsblau absetzt als das ebenfalls bläuliche Leuchten der Wega. Juniabende mit ihren langen Dämmerungsphasen und hoffentlich angenehm warmen Temperaturen laden ein, das „Arktur-oder-Wega-Experiment“ mit eigenen Augen nachzuvollziehen: Welchen der beiden Frühsommersterne sehen Sie als ersten?
Löwe und Jungfrau ziehen sich hinter den Westhorizont zurück
Mit fortschreitender Nacht gewinnt der Sommerhimmel die Überhand: Deneb und Altair folgen Wega im Osten und komplettieren noch vor Mitternacht das Sommerdreieck, während sich Löwe und Jungfrau, die beiden markantesten Frühlingssternbilder nach dem Bärenhüter, in der zweiten Nachthälfte hinter den Westhorizont zurückziehen.
Zur lokalen Mitternacht passiert zudem der Riesenstern Antares im Skorpion den Meridian. Das alles sind untrügerische Anzeichen für den nahenden Sommer: Der beginnt astronomisch in diesem Jahr am 21. Juni um 10.24 Uhr, wenn die Sonne ihren nördlichen Wendepunkt auf der Ekliptik erreicht. Erreicht die Sonne ihren nördlichsten Punkt auf der Ekliptik, muss der Mond, wenn er ihr zu Vollmond am Himmel genau gegenüberliegt, folglich besonders weit südlich des Himmelsäquators stehen. Das ist in diesem Jahr am 30. Juni der Fall; an diesem Datum kommt es zum südlichsten Vollmond des Jahres.
Unser kugelrund erscheinender Erdbegleiter erscheint Ende des Monats tief über dem Südhorizont riesengroß und lädt – hoffentlich bei klarem Himmel – zu einem sommerlichen Nachtspaziergang ein. Warum riesengroß? Die „Mondillusion“ sorgt dafür, dass alle ausgedehnten Objekte, seien es Sonne, Sternbilder oder eben der Mond, nah über dem Horizont größer wirken als hoch am Himmel.
Die verbreitetste, aber bei Weitem nicht einzige Erklärung: Am Horizont finden sich immer irgendwelche Vergleichsobjekte, etwa Häuser, Bäume oder auch nur der Erdboden selbst, die den Eindruck erzeugen, der Mond sei größer, als wenn er direkt über uns stünde. Der Begriff „Mondillusion“ sagt es schon: In Wirklichkeit bleibt der Mond immer gleich groß, sowohl in seinem wahren als auch seinem Winkeldurchmesser am Himmel, wie man leicht durch vergleichende Fotografien beweisen kann. Ob Illusion oder nicht – romantisch ist der tiefe Junivollmond auf jeden Fall.
